• Nach 65 das Geld sicher und ertragreich anlegen

Nach 65 das Geld sicher und ertragreich anlegen

24.02.2017     DAVID SPIESS, Geschäftsbereichsleiter beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Pensionierung – Kapitalbezug kann eine Alternative zur Rente sein. Was ist dabei zu beachten?

Wer pensioniert wird, steht vor der Wahl, sich das Pensionskassenkapital auszahlen zu lassen oder eine Rente zu beziehen. Mit einer Rente ist das Einkommen lebenslang gesichert. Sie hat auch den Vorteil, dass man sich nicht um die Anlage des Geldes kümmern muss. Im Gegensatz dazu wird der Kapitalbezug einmalig zu einem reduzierten Steuersatz versteuert. Zudem ist es oft einfacher, die Hinterbliebenen finanziell abzusichern, wenn man das Kapital bezieht.

Wegen der anhaltend tiefen Zinsen verlangen immer mehr Pensionskassen von ihren Versicherten, dass sie einen Teil ihres Altersguthabens als Kapital beziehen. Betroffen sind jeweils Sparguthaben im Überobligatorium, also Lohnbestandteile über 84 600 Franken. Mit dieser Massnahme folgen einige Stiftungsräte nicht nur internationalen Rechnungsstandards, sondern versuchen auch, ihre Pensionskasse zu entlasten. Denn jeder Rentner, der sein Guthaben bei der Pensionierung auszahlen lässt, entlastet die Pensionskasse, weil diese das Langlebigkeitsrisiko nicht mehr tragen muss.

Die Fragen beim Kapitalbezug

Doch der Kapitalbezug überfordert viele Versicherte: Wie sollen sie ihr Geld sicher und gleichzeitig ertragreich anlegen? Schliesslich muss es für viele Jahre reichen, auch wenn sie sich nur einen Teil ihres Altersguthabens auszahlen lassen. Was viele vergessen: Nach der ordentlichen Pensionierung haben Männer eine statistische Lebenserwartung von rund 19 Jahren, Frauen von gut 22 Jahren. Bei einem so langen Anlagehorizont wirken sich kurzfristige Schwankungen an den Börsen deutlich geringer auf die Wertentwicklung aus. Deshalb ist ein sicheres Einkommen bis zum Lebensende auch mit einem Kapitalbezug möglich.

Rechnungsbeispiel: Rente oder Kapitalbezug

Ein 65-jähriger Mann hat bis zur ordentlichen Pensionierung 500 000 Franken in seiner Pensionskasse angespart. Bei einem Umwandlungssatz von sechs Prozent erhält er 30 000 Franken pro Jahr. Da die Rente aber zu 100 Prozent einkommenssteuerpflichtig ist, bleiben bei einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent netto nach Steuern noch 22 500 Franken im Jahr.

Derselbe Rentner kann sich das ganze Guthaben auch einmalig auszahlen lassen und zum Beispiel zu zwei Prozent anlegen. Abzüglich Auszahlungssteuern von 8,6 Prozent bleiben dem Rentner 457 000 Franken. Verzehrt er davon jährlich 22 500 Franken, dauert es inklusive Abzug der Einkommens- und Vermögenssteuern mehr als 24 Jahre, bis sein Vermögen aufgebraucht ist.

Noch länger reicht das Kapital, wenn die Pensionskasse den Umwandlungssatz in diesem Beispiel von sechs auf fünf Prozent senkt. Bei einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent beträgt die jährliche Rente dann noch 18 750 Franken. Würde der Rentner das Kapital beziehen und sich die Rente selber auszahlen, dauert es gut 31 Jahre, bis sein Kapital aufgebraucht ist. Stirbt er früher, kann er das Ersparte seinen Angehörigen vererben.

Wichtig ist: Wer sich einen Teil seines Altersguthabens bei der Pensionierung auszahlen lassen möchte, muss sich spätestens drei Jahre davor einkaufen. Sonst sind die Steuern nachzuzahlen, die man dank des Einkaufs gespart hat. Wer das ganze Guthaben als Rente bezieht, kann sich auch im Jahr der Pensionierung noch einkaufen. Zudem sollte die Frage, ob man sich sein Guthaben in der Pensionskasse ganz oder teilweise auszahlen lässt, nicht einzig und alleine von den Steuern abhängig gemacht werden. Genauso wichtig sind die eigene Absicherung und diejenige der Hinterbliebenen.