• Mit Licht Räume gestalten

Mit Licht Räume gestalten

21.07.2017     SANDRA AEBERHARD, Faktor Journalisten, Zürich

Lichtplanung – Licht schafft Orientierung. Richtig eingesetzt, ist es aber auch ein einzigartiges Gestaltungsmittel, mit dem sich Stimmungen erzeugen, Räume strukturieren und Objekte in den Fokus rücken lassen. Damit dies gelingt, braucht es allerdings eine frühzeitige Planung.

Licht ist das Natürlichste der Welt – und es ist weitaus mehr als nur Beleuchtung. Ohne Licht gibt es kein Leben. Es ist essenziell für das Wachstum von Lebewesen und beeinflusst unser Wohlbefinden spürbar. Es kann physiologische Prozesse wie die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit unterstützen, aktivierend, entspannend und regulierend auf den Schlaf-Wach-Rhythmus wirken. Der Mensch hat ein natürliches Bedürfnis nach Licht. In der Architektur manifestiert sich dies durch die vermehrte Verwendung grossflächiger Verglasungen, durch die möglichst viel Helligkeit ins Innere dringen soll.

Den grössten Teil der Zeit verbringen wir in unseren Breitengraden in geschlossenen Räumen. Kein Wunder, gebührt dem Kunstlicht ein bedeutender Stellenwert. Es ergänzt das natürliche Tageslicht und ist gleichzeitig auch ein stark unterschätztes Gestaltungsmittel. In Innenräumen lässt sich Kunstlicht als ästhetisches Stilmittel einsetzen, um damit eine bestimmte Atmosphäre, Lichtstimmung oder Emotion hervorzurufen.

Grund- und Akzentbeleuchtung

Lichtplaner unterscheiden grundsätzlich zwischen der Allgemeinbeleuchtung und der Akzentbeleuchtung. Die Allgemeinbeleuchtung ist ein diffuses Grundlicht ohne spezielle Ausrichtung. Sie soll einen Raum möglichst gleichmässig und ohne Blendung ausleuchten und Orientierung schaffen. Als Ergänzung dazu setzt man beispielsweise mittels engstrahlenden und justierbaren Lichtquellen eine Akzentbeleuchtung, die Kontraste oder einen bestimmten Fokus im Raum erzeugt. Durch ein spannendes Spiel mit Licht und Schatten, Reflexionen und Oberflächenstrukturen kann mit einem gezielten Einsatz von Licht eine eigentliche Dramaturgie im Raum inszeniert werden. Die differenzierte Ausleuchtung bestimmter Zonen oder Bauteile bringt zudem Struktur in grosse Räume, und man kann damit Nischen oder Bereiche schaffen, in denen man sich gerne aufhält.

Raumfunktion unterstützen

Eine der wichtigsten Aufgaben von Licht ist es, die eigentliche Funktion eines Raumes zu unterstützen. So soll im Bad beispielsweise ein diffuses, blend- und schattenfreies Licht eine entspannte Atmosphäre kreieren. In der Regel reicht allerdings eine solche Grundbeleuchtung nicht aus, es braucht zusätzliches, fokussiertes Licht. Dabei sollte man aber darauf achten, dass das Licht nicht nur von oben kommt, denn sonst entstehen unvorteilhafte Schlagschatten. Am besten platziert man blendfreie Lichtquellen seitlich der Spiegel. Gleichzeitig ist der Sicherheitsaspekt im Bad wichtig, insbesondere für ältere Menschen. Die Beleuchtung muss stark genug sein, so dass Wasserlachen auf dem Fussboden sichtbar sind und Stürze verhindert werden.

Da die Küche in den vergangenen Jahren immer mehr als Teil des Wohnraums konzipiert wurde, gilt es, diese in die Gesamtplanung miteinzubeziehen – das hat auch für das Licht Gültigkeit. Der Esstisch soll dezent ausgeleuchtet und womöglich mit dimmbarem Licht ausgestattet sein, während die Arbeitsbereiche und der Herd zusätzliches Licht benötigen. Auch hier entsteht die beste Lösung, wenn man mehrere Lichtquellen kombiniert. Dabei lohnt es sich, auf Leuchtmittel mit einer guten Farbwiedergabe zu achten, damit sich die Qualität der Speisen oder deren Gargrad richtig beurteilen lassen.

Im Wohnraum erzielt man eine differenzierte Beleuchtung ebenfalls mit mehreren Quellen. Nebst einem Grundlicht können einzelne Zonen, Objekte oder Möbelstücke in Szene gesetzt oder in eine bestimmte Stimmung getaucht werden. Die Leuchten sind hier Teil der Einrichtung und haben nicht allein die Funktion, Licht zu spenden. Ständer-, Tisch- oder Deckenleuchten ergänzen die Möblierung. Wie im Wohnraum variieren auch die Lichtbedürfnisse im Schlafzimmer sehr stark. Auch hier empfiehlt sich der Einbau eines Dimmers. Zudem soll das Licht vom Bett aus bedient werden können.

Entscheidend für das Wohlbefinden ist die Lichtfarbe, auf die beim Kauf eines Leuchtmittels zu achten ist. «Während man im Wohnraum für eine angenehme Atmosphäre vorzugsweise eine warme Lichtfarbe mit etwa 2700 Kelvin einsetzt, wählt man für das Büro eine Lichtfarbe von etwa 3000 bis 5000 Kelvin », erklärt Thomas Richner, Leiter Verkauf und Lichtplanung bei der Ribag AG. Diese etwas kühlere Lichtfarbe in Büroumgebungen wirkt anregend und soll die Produktivität steigern.

Smartes Licht

Neue Möglichkeiten bieten laut Richner Smart-Lighting-Lösungen. Die drahtlose Vernetzung von Leuchten und anderen elektronischen Verbrauchern, die intelligent zusammen kommunizieren, eröffnet neue Konzepte hinsichtlich der Steuerung – ein Thema, das in den kommenden Jahren immer mehr in den Fokus rücken wird. Ebenfalls in aller Munde ist derzeit das Human Centric Lighting. Damit sind Leuchten und Lichtkonzepte gemeint, die der biologischen Wirkung des Lichts Rechnung tragen und den natürlichen Tageslichtverlauf mit Kunstlicht simulieren.

Frühzeitige Planung

Gutes Licht ist nicht allein eine Frage der Technik, es muss richtig und vor allem rechtzeitig geplant sein. Denkt man erst nach dem Einbau der Decken und Wände daran, sind die Leitungen und Steckdosen nicht dort, wo man die Lampe später platzieren will. «Idealerweise bezieht man bereits in der Vorprojektphase einen Lichtplaner ein, denn sonst sind Wünsche, die bauliche Massnahmen erfordern, möglicherweise nur noch teilweise realisierbar », sagt Thomas Richner. Ist kein grosses Budget für die Lichtplanung vorgesehen, sollen Bauherrschaften gemeinsam mit dem Architekten überlegen, wo die Anschlüsse für die Beleuchtung platziert werden sollen.