• Minergie im Umbruch

Minergie im Umbruch

16.12.2016     THOMAS AMMANN dipl. Arch. FH, Ressortleiter Energie- und Bautechnik beim HEV Schweiz

Energiestandard – Bewährtes bewahren und mit neuen Wahlmodulen ergänzen. So präsentiert sich Minergie ab dem Jahr 2017.

Minergie ist in den letzten 25 Jahren als der Energiestandard mit der gut gedämmten Gebäudehülle hervorgegangen. Der Standard hat die Entwicklung der Gebäudedämmung bei Neubauten und Sanierungen massgeblich geprägt. Dies hat nicht zuletzt dazu geführt, dass sich die neuen Mustervorschriften der Kantone dem bisherigen Minergiestandard angenähert haben und hinsichtlich Wärmedämmung dieselben Anforderungen verlangen.

Damit sich ein Minergiegebäude weiterhin vom durchschnittlichen Neubau abhebt, hat sich Minergie weiterentwickelt und präsentiert ab 2017 die drei bekannten Standards Minergie, Minergie-P und Minergie- A in erweiterter Form. Nach wie vor sollen sich die Minergiebauten durch eine gute Wärmedämmung, ein angenehmes Raumklima und einen tiefen Verbrauch ausweisen. Neu kommt hinzu, dass mindestens ein Teil der benötigten Energie selbst erzeugt werden soll und die Heizung bei Neubauten fossilfrei betrieben werden muss. Ausgenommen ist die Spitzenlastdeckung.

Planungsanforderungen

Die Minergiestandards werden auch inskünftig durch verschiedene Anforderungen in absoluten Werten definiert. Zum einen ist dies die Grundanforderung an den Heizwärmebedarf. Dieser wird analog zu den Energievorschriften berechnet und entspricht für Minergie und Minergie- A den Anforderungen nach den Mustervorschriften der Kantone (MuKEn 2014). Für Bauten nach dem Minergie- P-Standard darf der Heizwärmebedarf maximal 70 Prozent des Grenzwertes nach MuKEn 2014 betragen. Für Sanierungen sind 90 Prozent des Grenzwertes zu erreichen.

Die bisherige Anforderung der Minergie-Energiekennzahl wird als Grundanforderung beibehalten und als neue Hauptanforderung auf die Gesamtenergiebilanz ausgedehnt. Neben dem Energieaufwand für die Heizung, das Warmwasser und die Elektrizität für die Haustechnikkomponenten wird neu ebenfalls der Strom für Beleuchtung und die fix eingebauten Geräte mitberücksichtigt.

Damit die Minergiestandards den Energievorschriften in den Kantonen genügen, wird neu die Pflicht zur Eigenstromerzeugung aufgenommen. Pro Quadratmeter Energiebezugsfläche (beheizte Geschossfläche) ist eine Stromerzeugung von mindestens 10 W Leistung zu installieren.

Innerhalb der Gesamtenergiebilanz kann der selbst erzeugte Strom wieder angerechnet werden. Dabei ist der direkt selbst verbrauchte Strom voll abzugsfähig. Bei dem in das Netz zurückgespeisten Strom werden maximal 40 Prozent davon angerechnet. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass im Sommer und zu Spitzenzeiten über die Mittagszeit viel Strom ins Netz abgegeben und dort gespeichert werden muss, damit dieser nachts oder im Winter wieder an die Haushalte abgegeben werden kann.

Aus der Summe des Energiebedarfs für Heizung, Warmwasser und Elektrizität, abzüglich der Eigenproduktion am Gebäude, ergibt sich die Minergie-Energiekennzahl. Für den Basisstandard liegt die Anforderung für Neubauten (EFH / MFH) bei 55 kWh pro Quadratmeter und Jahr (kWh / m2a). Minergie-P-Bauten müssen einen Wert von 50 kWh / m2a erreichen, und Minergie-A-Objekte sind bis auf 35 kWh / m2a zu trimmen.

Zusatzmodule

Wer sein Haus bisher nicht nur energetisch vorbildlich bauen, sondern auch hinsichtlich der Materialwahl Bestleistungen erreichen wollte, konnte den Zusatz «ECO» anvisieren. «ECO» wird auch 2017 unverändert als Zusatz geführt.

Minergie bleibt in seiner Basis ein Standard, der auf Planungswerten beruht. Dies führt leider nicht immer zum gewünschten Ziel. Auch wenn sie nicht direkt mit dem Standard verknüpft sind, werden allgemeine Baumängel oftmals direkt mit dem Minergie-Label in Verbindung gebracht. Um dem entgegenzuwirken, hat Minergie den Zusatz «Minergie- Qualitätssystem Bau» (MQS Bau) ins Leben gerufen. Innerhalb von MQS Bau werden die Ausführung sowie die Inbetriebnahme enger begleitet und überprüft. Je nach gewählter Intensitätsstufe geschieht dies mittels einer Selbstkontrolle durch den Planer. Oder aber die Baufortschritte werden durch einen unabhängigen MQS-Bau-Experten begleitet und kontrolliert. Bauherrschaften erhalten dadurch Gewähr, dass nicht nur Minergie drauf steht, sondern dass der Standard auch umgesetzt wird. Während einer Pilotphase in den Kantonen Graubünden, Schaffhausen, Thurgau und Zürich sollen 2017 rund 20 Projekte begleitet und erste Erfahrungen gesammelt werden.

Bauten über 2 000 m2 Energiebezugsfläche und sämtliche Minergie- A-Objekte müssen künftig mit einem Messsystem ausgerüstet werden. Etwas weiter geht das freiwillige Zusatzprodukt «MQS-Betrieb». Innerhalb dieses Monitorings werden sämtliche Energieflüsse gemessen, gespeichert und in geeigneter Form visualisiert. Dies ermöglicht eine laufende Betriebsoptimierung, und Massnahmen können frühzeitig ergriffen werden, wenn sich Unregelmässigkeiten zeigen.

Gültigkeit der neuen Standards

Die neuen Standards und Anforderungen gelten ab dem 1. Januar 2017. Bereits in Planung befindliche Objekte können noch bis zum 30. Juni 2017 nach den bis Ende 2016 geltenden Reglementen eingereicht werden. In begründeten Fällen wird diese Frist gar bis Ende 2017 verlängert. Eine Ausnahme muss jedoch bis Mitte Jahr bei der Zertifizierungsstelle beantragt werden. Die neuen Produktereglemente, Anwendungshilfen und Nachweisformulare sind ab dem 3. Januar 2017 über www.minergie.ch verfügbar.

MINERGIE PRODUKTE

Minergie, Satndard
GRAFIK MINERGIE
GRAFIK HEV SCHWEIZ

Minergie ab 2017 finden Sie unter: www.minergie2017.ch
Die neuen Reglemente und Anwendungshilfen auf der Website von Minergie zu finden: www.minergie.ch