• Mehr als eine Öffnung in der Wand

Mehr als eine Öffnung in der Wand

27.04.2018     HELEN STACHER, Conzept-B, Zürich

Fenster – Die grosse Vielfalt an Fensterarten eröffnet neue Perspektiven für die moderne Architektur. Dabei treffen funktionale und technische Anforderungen auf gestalterische Perspektiven.

Seit der Mensch Häuser baut, sind diese mit Öffnungen versehen. Die Geschichte des Fensters war über die Jahrhunderte hinweg bestimmt durch funktionale Anforderungen, technische Neuerungen und nicht zuletzt durch kulturelle und damit einhergehende gestalterische Entwicklungen.

Das Standard-Fenster gibt es nicht, sagen die Fensterbauer. Fenster erfüllen wie auch Balkon- und Terrassentüren vielfältige Anforderungen. Entsprechend müssen sie auf Mass hergestellt und den Einbausituationen angepasst werden. Sowohl beim Hausbau wie auch bei der Sanierung eines älteren Gebäudes lohnt es sich demnach, den Fenstern erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Am besten lässt man sich vom Spezialisten beraten. Nachfolgend einige wichtige Kriterien und Eigenschaften, die bei Fenstern und Türen massgebend sind.

Raumklima und Gesundheit

Alte Fenster können das Raumklima negativ beeinflussen. Es ist zugig, mal zu warm und mal zu kalt. Neue, moderne Fenster sollten für ein ausgewogenes Klima sorgen. Wichtig ist dabei aber auch das Lüften. Wer neue Fenster eingebaut hat, muss richtig lüften, um eine zu hohe Luftfeuchtigkeit zu vermeiden. Sind die Fenster beschlagen oder gar die Wände feucht, dann ist das ein Alarmsignal. Die zu hohe Luftfeuchtigkeit im Raum kann zu Schimmel führen. Eine zu hohe Konzentration an Sporen in der Raumluft kann Allergien, Haut- und Schleimhautreizungen sowie Asthma auslösen. 

Auch die Raumtemperatur hat zusammen mit der Luftfeuchtigkeit entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden. Die ideale Raumtemperatur liegt bei 20-23 Grad, in Küche und Schlafzimmer reichen 18-20 Grad.

Einbruchschutz

90 Prozent aller Einbrüche werden durch Fenster, Balkon- oder Terrassentüren verübt, nur 12,5 Prozent durch Haustüren und 6,5 Prozent durch den Kellerbereich. Mit modernen Fenstern kann man sich also auch gegen Einbruch schützen.

Energiesparen und Lärmschutz

Fenster sind immer der Schwachpunkt der Isolation. Wer Energie und Heizkosten sparen will, sollte über neue Fenster nachdenken. Durch den Austausch alter Fenster gegen wärmegedämmte Fenster-Systeme lassen sich die Heizkosten signifikant senken. So können dichte Fenster in Verbindung mit einer effizienten Heiztechnik und einer gedämmten Gebäudehülle den Energieverbrauch deutlich senken. Heutige leistungsstarke Verglasungen sind stärker wärmedämmend als ihre Rahmen. Deshalb wählt man mit Vorteil schmale Fensterrahmen mit wenigen, dafür grossen Scheiben. Auch die Fensterflügel sollte man begrenzen: Ein zweiflügeliges Fenster ist energiesparender als eines mit drei Flügeln. Auch ein besserer Lärmschutz ist ein Kriterium, um die Fenster zu erneuern. Moderne, schallisolierte Fenster schützen vor krankmachendem Lärm. Je nach Wohnsituation gibt es moderne Fenster mit anforderungsgerechten Schallschutzklassen.

Das Glas macht das Fenster

Fensterglas ist heute kein einfaches Glas mehr, sondern ein modernes Hightech-Produkt. Es besitzt je nach Einsatzzweck besondere Eigenschaften. Bei der Fensterverglasung stehen drei Aspekte im Vordergrund: Wärmedämmung, Schallschutz und Einbruchsicherheit. Für alle drei Anforderungen gibt es Normen und Richtlinien, nach denen die Gläser eingeteilt sind. Wie die Leistungsfähigkeit moderner Fenstergläser zugenommen hat, zeigt ein Beispiel aus den 1970er- Jahren: Damals hatten die Fenster einen U-Wert von rund 5,8 W / m²K (Masseinheit für den Dämmwert). Das doppelverglaste Thermopen-Fenster galt als das «Energiespar-Fenster» – ein Ruf, der sich fälschlicherweise bis heute gehalten hat. Thermopen-Fenster sind veraltet und ihre Wärmedämmung ist nach heutigen Massstäben unzureichend. Heute werden mit Wärmeschutzglas und Dreifachverglasung Werte von 0,7 und 1,0 W / m²K erreicht. Umgerechnet heisst dies: Statt 60 Litern Heizöl Wärmeverlust pro Jahr und pro Quadratmeter Fenster sind es heute weniger als acht Liter, die zudem durch die einfallende Sonnenenergie in der Praxis noch verringert werden. Es lohnt sich also beim Fensterkauf, die Verglasungsarten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Fensterarten

Die grosse Vielfalt an Fensterarten eröffnet für die moderne Architektur neue Perspektiven in der Gestaltung. Neben ihren Formen unterscheiden sich Fenster vor allem in ihren Öffnungsmöglichkeiten und bestimmen damit die Fensterart. Neben dem Standard wie Drehen und Kippen gibt es weitere Lösungen, mit denen sich beispielsweise beengte Raumsituationen oder bauphysikalische Einschränkungen lösen lassen. Die Öffnungsart ist aber auch ein gestalterisches Element. So eignet sich ein Dreh-Schwingmechanismus für grosse und schwere Panoramafenster. Bei Schiebefenstern lassen sich die Flügelelemente parallel zueinander verschieben. Diese Öffnungsart findet häufig Anwendung bei sogenannten Hebe-Schiebetüren.

Fenstermaterialien

Wie bei Kunstwerken kommt es auch bei Fenstern auf die Wahl des richtigen Rahmens an. Zur Auswahl stehen: Kunststoff, Holz, Aluminium oder eine Werkstoffkombination wie Aluminium-Kunststoff. Fenster aus Holz faszinieren durch ihre Natürlichkeit und Hochwertigkeit, dafür ist der Pflegeaufwand etwas höher. Fenster aus Aluminium bieten sich dort an, wo erhöhte Anforderungen an die Statik gestellt werden oder schlanke Konstruktionen gefordert sind. Kunststoff- Fenster überzeugen durch ihre lange Lebensdauer und den geringen Pflegeaufwand.