• Kalt, heiss oder auch prickelnd

Kalt, heiss oder auch prickelnd

05.09.2017     MICHAEL STAUB, Journalist BR, Kriens

Normale Küchenarmaturen haben seit einiger Zeit interessante Verwandte. Spezielle Wasserhähne liefern das Hahnenwasser gekühlt oder kochend heiss, mit Kohlensäure versetzt oder bis auf den Deziliter genau.

Trinkwasser ist in der Schweiz ein selbstverständlicher Luxus. Wer den Hahn aufdreht, erhält sofort ein kontrolliertes, einwandfreies Lebensmittel. Verglichen mit Süssgetränken ist «Hahnenburger» deutlich gesünder und erst noch billiger (siehe Infobox). In vielen Familien, Kitas und Schulen wird deshalb das Wassertrinken bewusst gefördert. Während jüngere Kinder meist das «normale» Hahnenwasser schätzen, vermissen Jugendliche und Erwachsene zuweilen etwas Abwechslung. Seit Jahren gibt es deshalb Trinkwassersprudler, die das Wasser mit Kohlensäure versetzen. So erhält man «Blöterliwasser», ohne Mineralwasserflaschen schleppen zu müssen. Dafür steht ein weiteres, nicht eben ansehnliches Gerät in der Küche.

Privater Zapfhahn

Hier setzt der deutsche Hersteller Grohe an. Sein System «Grohe Blue Home» verwandelt den Wasserhahn in einen Zapfhahn, der verschiedene Qualitäten bereithält. Die Armatur bietet standardmässig gekühltes Wasser. Je nach Geschmack fügt man per Knopfdruck wenig oder viel Kohlensäure hinzu. So liefert der Hahn stilles, moderat oder kräftig sprudelndes Wasser. Die Technik steckt in einer Untertischbox, die im Spülschrank montiert wird. Eine Kartusche liefert Kohlensäure, und ein mehrstufiger Filter umfasst unter anderem zwei Aktivkohle-Stufen und einen Ionentauscher. Damit sollen unerwünschte Stoffe entfernt und der Geschmack verbessert werden. In der Schweiz, wo das Trinkwasser nur sehr selten mit Chlor versetzt wird, betrifft diese Filterung vor allem den Kalk.

Im Trinkwasser ist Kalk jedoch ein wichtiger Geschmacksträger: Vollständig entkalktes Wasser empfinden wir als fade. Deshalb lässt sich im Grohe-Filter ein sogenannter Bypass einstellen. Eine bestimmte Wassermenge wird damit am Filter vorbeigeschleust, sie behält also ihren Kalkanteil und damit auch den Geschmack. Das günstigste Grohe-Set ist das «Blue Home Mono». Es besteht aus einer Spültischbatterie, die neben dem bestehenden Mischwasserhahn montiert wird, dem kombinierten Filter, Kühler und Karbonisierer sowie einer CO2-Kartusche und kostet gut 1500 Franken. Etwas teurer sind die All-in-one-Armaturen, die gekühltes Sprudelwasser oder normales Mischwasser ausgeben. Neben den einmaligen Anschaffungskosten ist auch das «Verbrauchsmaterial» zu berücksichtigen. Ein Ersatz-Filtermodul für die Aufbereitung von 600 Litern Wasser kostet 75 Franken, für vier CO2- Kartuschen, die 300 Liter Hahnenburger in Sodawasser verwandeln, werden 87 Franken fällig.

Kochen im Handumdrehen

Keine Kohlensäure, aber kochendes Wasser versprechen die Armaturen von Quooker. Der kuriose Name ist eine Anlehnung an «quick cooker», was in etwa «Schnellkocher» oder «Tauchsieder» bedeutet. Aus einem Quooker-Hahn strömt 100 Grad heisses Wasser, die Bedienung ist durch einen kombinierten Druck-Drehknopf kindersicher. Neben dem separaten Heisswasser-Hahn gibt es inzwischen auch Modelle mit Mischbatterie oder den «Fusion», der kaltes, warmes und heisses Wasser ausgeben kann. Vom Prinzip her ähneln die Quooker-Armaturen und andere Kochendwasserhähne dem guten alten Durchlauferhitzer: Das Wasser wird elektrisch unmittelbar vor dem Gebrauch erhitzt. Anders als in den 1960er-Jahren achtet man heute aber stärker auf Energieeffizienz. Bei Quooker verweist man diesbezüglich auf das Hochvakuum-Reservoir, in dem das heisse Wasser auch über lange Zeit seine Temperatur behalten soll.

Die günstigste Quooker-Armatur kostet 1550 Franken. Für den «Fusion » werden je nach Oberfläche des Hahns (Chromstahl oder Voll-Edelstahl) und gewähltem Reservoir zwischen 1850 und 2500 Franken fällig. Der Unterhaltsrhythmus der Anlage hängt von der Wasserhärte ab, in der Regel ist ein Service nach drei bis fünf Jahren notwendig. Dabei wird die Anlage entkalkt, der Aktivkohlefilter ersetzt und der Dichtungsring des Heizelements erneuert. Besitzer mit einem Händchen für Technik können das entsprechende Service-Kit für 65 Franken beziehen und die Arbeiten selber ausführen. Wer diese lieber delegiert, bezahlt pauschal 265 Franken inklusive Anfahrt und Arbeit des Technikers.

Wachsender Markt

Die Palette von Heiss- und Kochendwasserhähnen wird langsam breiter. Seit Kurzem bietet etwa der deutsche Durchlauferhitzer-Hersteller Clage den «Zip Hydrotap» an. Diese Armatur ist im angelsächsischen Sprachraum schon länger bekannt. Ähnlich wie der «Fusion» bietet sie gekühltes und heisses Wasser. Die gesamte Technik des «Hydrotap» befindet sich in einem gedämmten Untertischgerät. Darin sind der Heisswasserboiler und das Kühlgerät untergebracht. Das Trinkwasser läuft vor der Verwendung durch einen Filter aus Aktivkohle, was Qualität und Geschmack verbessern soll. Um den Strombezug zu reduzieren, kann ein Energiesparprofil programmiert werden. Einen Schweizer Vertrieb gibt es zurzeit noch nicht.

Einen Schritt weiter geht der deutsche Hersteller Dornbracht. Seine «eUnit Kitchen» bringt digitale Technik in den Spültisch. Die benötigte Menge und Temperatur des Wassers können über Bedienelemente genau gesteuert werden. Die Abstufung verläuft in Deziliter- respektive Literschritten. Bemerkenswert ist der Fuss-Sensor. Dank ihm kann die Armatur auch mit vollen Händen bedient werden. Wer also einen schweren Spaghettitopf mit kochendem Wasser füllen muss, kann dies mit einem eleganten Kratzfuss erledigen. Die aufwendige Technik hat jedoch ihren Preis. Eine eUnit Kitchen mit elektronischer Funktionseinheit sowie einer Küchenarmatur mit herausziehbarem Auslauf kostet gut 5000 Franken. Um etwa 500 Franken teurer ist die Variante mit einer Gastro- Pendelbrause.

Günstig und gesund

Das Schweizer Trinkwasser-Leitungsnetz ist über 88 000 Kilometer lang. Dank dieser eindrücklichen Infrastruktur steht in jedem Haushalt einwandfreies Wasser ab dem Hahn zur Verfügung. Weil die Wasserversorgung dem Lebensmittelgesetz unterstellt ist, wird das Trinkwasser regelmässig chemisch und mikrobiologisch untersucht. Frisches Trinkwasser ab Hahn ist ein sehr umweltfreundliches Lebensmittel. Es erreicht pro Liter nur 1,4 Umweltbelastungspunkte, ein Mineralwasser aus CH-Produktionsmix deren 631. Laut der Gesundheitsförderung Schweiz ist Trinkwasser bis heute der beste und billigste Durstlöscher. Wer es den Süssgetränken vorzieht, kann sein Risiko für Übergewicht, Diabetes und Karies markant senken. Gemäss einer Umfrage des Schweizerischen Verbandes des Gas- und Wasserfachs (SVGW) konsumieren ungefähr 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung regelmässig Trinkwasser. Etwa 60 Prozent sind «heavy user» und trinken mehrmals täglich Hahnenburger.