• Höhere Risikogewichtung bei Hypothekarkrediten?

Höhere Risikogewichtung bei Hypothekarkrediten?

15.09.2017     NR HANS EGLOFF, Präsident HEV Schweiz

Vor einigen Wochen endete die Vernehmlassungsfrist für eine Änderung der Eigenmittelverordnung der Banken. Diese hat auf den ersten Blick nichts mit den Anliegen der Hauseigentümer zu tun. Es ging in erster Linie darum, dass Banken keine Kredite vergeben dürfen, die einen bestimmten Anteil ihres Eigenkapitals überschreiten. Dadurch sollten Klumpenrisiken vermieden werden und die Banken beim Ausfall eines Kredits besser vor eigenen finanziellen Schwierigkeiten geschützt sein – so weit, so gut. Bei näherem Hinsehen stellte sich allerdings heraus, dass auch die Regeln zur Vergabe von Hypothekarkrediten für Wohnbauprojekte geändert werden sollten. 

Folgen für die Finanzierung von Wohneigentum

Bisher waren diese Kredite zur Hälfte des Immobilien-Verkehrswerts von der Risikobewertung ausgenommen, da die Annahme bestand, die Liegenschaft stelle im Falle des Kreditausfalls einen Gegenwert dar und könne durch die Bank verkauft werden. Diese Praxis soll in Zukunft nicht mehr anwendbar sein, und Hypothekarkredite sollen deshalb vollumfänglich in die Risikobetrachtung einfliessen. Ich befürchte daher, dass sich die Finanzierungskosten von Krediten für Wohnliegenschaften verteuern werden.

Markt für Wohneigentum befindet sich im Gleichgewicht

Schon in der heutigen Marktsituation kann eine Bank im Falle eines Kreditausfalls die Liegenschaft verkaufen und damit den entstandenen Verlust decken. Es ist nicht ersichtlich, warum die so erzielten Erlöse den Verkehrswert, von dem die Bank ja maximal 80 Prozent finanziert, nicht mindestens zur Hälfte decken sollten. Während der Immobilienkrise in den 90er-Jahren fiel der Marktwert von Wohneigentum innerhalb von zehn Jahren von 170 auf 100 Indexpunkte, der Preiszerfall betrug also deutlich weniger als die Hälfte.

Der Markt für Wohneigentum hat sich in letzter Zeit im Einklang mit der Nachfrage entwickelt. Es werden weniger Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen und wieder vermehrt Mietobjekte gebaut. Dies ist ein Hinweis darauf, dass sich der Markt für Wohneigentum im Gleichgewicht befindet.

Keine weiteren Erschwernisse

In den vergangenen Jahren wurden die Finanzierungsregeln für Wohneigentum aus Angst vor einer Immobilienblase bereits stark verschärft. Nur wenige Haushalte können sich Wohneigentum überhaupt noch leisten. In der Annahme, dass sich die Banken an die Tragbarkeitskriterien halten, sind weitere Erschwerungen bei der Finanzierung von Wohneigentum abzulehnen.