• Haben Sie einen Vogel?

Haben Sie einen Vogel?

02.09.2016     SUSY UTZINGER, Journalistin, Tierexpertin

Tierhaltung – Vögel sind beliebt. Neben Wellensittichen, Kanarienvögeln und Zebrafinken halten sich auch viele Leute grosse Papageien. Um den exotischen Heimtieren gerecht zu werden, braucht es Fachwissen, tolerante Nachbarn und ganz viel Platz.

Die Zeiten, in denen einzelne Tiere in kargen Minikäfigen jämmerlich vor sich hinsangen, sind in der Schweiz glücklicherweise vorbei. Neben einem gesteigerten Bewusstsein der Tierhalter schützt auch die Schweizer Tierschutzgesetzgebung Vögel vor einem solchen Schicksal. Wer gefiederte Heimtiere halten möchte, der darf seine Tierunterkunft nicht nach Gutdünken einrichten, sondern wird gesetzlich dazu angehalten, seinen Tieren das zu bieten, was eigentlich jedem Vogelfreund ein Grundbedürfnis sein müsste.

Sie haben Flügel, um zu fliegen

Zu gross kann eine Voliere kaum sein. Die meisten Vögel lieben es zu fliegen und brauchen die Möglichkeit, einige Flügelschläge tun zu können. Auch Klettern gehört ins Verhaltensrepertoire der meisten Vögel. Das Gesetz fordert hier: «Die Gehege sind mit verschiedenen federnden Sitzgelegenheiten unterschiedlicher Dicke und Ausrichtung zu strukturieren, wobei ein Drittel des Volumens frei von Strukturen sein muss.» Für die Grösse der Voliere sind je nach Vogelart unterschiedliche Masse als Mindestgrösse vorgeschrieben.

Alleine ist verboten

Wellensittiche und andere Papageienartige leben in der freien Natur in grossen Schwärmen. Das wäre natürlich auch für ein Leben in Gefangenschaft angebracht. Während früher noch die tierquälerische Logik galt «wenn sie unter Einsamkeit leiden, dann lernen sie zu sprechen», ist heute sogar gesetzlich festgelegt, dass Einzelhaft für die geselligen Tiere verboten ist. Die meisten Vogelarten müssen in Gruppen von mindestens zwei Tieren gehalten werden. Viele Tierfreunde entscheiden sich aber für grössere Gruppen und geniessen es, ihre geselligen Heimtiere bei den sozialen Interaktionen zu beobachten. Doch Vorsicht: Je mehr Tiere in der Voliere leben, desto mehr Lärm können sie verursachen. Bei grösseren Gruppen von Wellen- oder Nymphensittichen kommt da ein ganz schöner Quassel- und Zwitscher-Lärmpegel auf – und auch grosse Papageien können mit ihren lauten Schreien die Nerven der Halter und vor allem deren Nachbarn stark strapazieren.

Fragen Sie deshalb vor der Anschaffung von Vögeln Hausbesitzer und Nachbarn um Erlaubnis. Und stellen Sie sich auch selber die Frage, ob sie mit dieser Lärmemission in Ihrer Wohnung umgehen können. Unzählige Vögel landen jedes Jahr im Tierheim oder werden ausgesetzt, weil sie genau das tun, was Vögel nun mal tun: zwitschern, quasseln, schreien, pfeifen und singen.

Die richtige Haltung

Auch für die Einrichtung der Voliere oder des Vogelzimmers gibt es gesetzlich vorgeschriebenes Mobiliar: Eine Badegelegenheit, reichlich Naturäste als Nage- und Klettermöglichkeit und geeigneter Sand zur Aufnahme sind Pflicht. Ein heikles Thema ist auch die Fütterung der exotischen Mitbewohner: Mit ein paar Vogelkernli aus dem Fachhandel ist die artgerechte Fütterung noch lange nicht gewährleistet. Auf den Speiseplan der meisten Vogelarten gehören täglich frisches Obst und Gemüse. Was in den Napf gehört, und was allenfalls lebensbedrohliche Beschwerden bei den Tieren verursacht, ist Fachwissen, das sich jeder Vogelhalter vor der Anschaffung seiner Tiere aneignen muss.

An Bewilligung denken

Ein paar Exoten sind haltebewilligungspflichtig und somit auch anmeldepflichtig. Dazu gehören einige Aras, Kakadus und andere Arten. Wer solche Tiere halten will, muss einen Sachkundenachweis erbringen.

Verstösse gegen das Tierschutzgesetz werden bestraft

Schlechte Vogelhaltung ist längst kein Kavaliersdelikt mehr, sondern hat für den Tierhalter Folgen. Wer gegen das Tierschutzgesetz verstösst, muss mit einer Busse rechnen oder gar mit der Beschlagnahmung seines Tieres. Auf dem Papageienhof im Toggenburg leben 190 Aras, Kakadus, Graupapageien und Amazonen sowie 60 Sittiche – die meisten von ihnen wurden beschlagnahmt. Einzelhaltung, grauenhafte Minikäfige oder falsche Fütterung und Haltung sowie Vernachlässigung führten dazu, dass die fehlgegangenen Besitzer enteignet und mit einer Busse bestraft wurden.

Auf dem Papageienhof erholen sich diese Tiere von solcher Haltung und leben genauso, wie es nicht nur das Gesetz vorschreibt, sondern wie es jedem Tierfreund – und natürlich den Tieren selber – Freude macht: in grossen, gut strukturierten Volieren und in Gruppen.

Gruppenhaltung ist Papageienspezialist Marcel Jung besonders wichtig: «Wenn zwei Vögel gekauft und zusammengesetzt werden, heisst das noch lange nicht, dass sie sich auch automatisch lieben. Zwangsheirat ist auch unter Vögeln schwierig und führt oft dazu, dass sich die Tiere früher oder später massiv streiten. » Auch solche Tiere betreut der Leiter des Papageienhofs häufig. «Hier können sie sich ihren Partner aus einer grosse Gruppe selber aussuchen und sich dabei auch Zeit lassen. » Dennoch ist der Fachmann und Tierschützer grundsätzlich gegen die Haltung von Vögeln in Gefangenschaft: «Wir können diesen exotischen Tieren vieles geben, aber das, was sie am dringendsten brauchen, leider nicht, nämlich die freie Wildbahn in ihrem Herkunftsland!»

Nein zu Wildfängen!

Wer sich exotische Vögel anschaffen will, soll sich unbedingt seriös über die Herkunft der Tiere informieren. Die Beliebtheit von Papageien als Heimtiere ist nämlich auch gleichzeitig ihr Verhängnis: Viele Arten gelten als gefährdet oder sind sogar schon vom Aussterben bedroht. Verantwortlich ist dafür zum einen die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume, aber auch der Handel mit den beliebten und teuren Exoten. Die Vögel werden in ihrer Heimat meist auf brutale Weise gefangen und so aus ihrer natürlichen Umgebung herausgerissen. Sie werden über Landesgrenzen geschmuggelt und unter schlimmsten Bedingungen transportiert. Viele Papageien überleben den Transport gar nicht, die anderen landen als Heimtiere in Käfigen, die ihnen niemals ihr Leben in freier Wildbahn ersetzen können.

Jeder Tierfreund kann zur Lösung dieses traurigen Themas etwas beitragen. Es ist nämlich die Nachfrage, die das Angebot an Tieren aus der freien Wildbahn bestimmt. Wer sich mit der Anschaffung eines Papageis beschäftigt, sollte daher sichergehen, dass er sich ein Tier aus einer Nachzucht und keinen Wildfang anschafft. Es gibt seriöse Papageienzüchter, die in der Regel auch gerne mit Informationen und Tipps zur Papageienhaltung weiterhelfen.

WEITERE INFOS

Für einige Vogelarten muss beim kantonalen Veterinäramt eine Haltebewilligung beantragt werden.
Dies gilt zum Beispiel für:

  • alle europäischen Vogelarten
  • alle Greifvögel
  • verschiedene Aras
  • verschiedene Kakadus
  • Kolibris