• Gefahren erkennen und beseitigen

Gefahren erkennen und beseitigen

13.01.2017     MICHAEL STAUB, Journalist BR, Kriens

Alle 20 Jahre wird die Elektroinstallation von Wohngebäuden auf ihre Sicherheit überprüft. Bei diesen Kontrollen können Gefahrenquellen erkannt und beseitigt werden. Wichtig ist dies insbesondere bei den älteren Bauten, die den Schweizer Gebäudepark dominieren.

Pro Jahr kommt es in der Schweiz ungefähr zu drei bis fünf tödlichen Elektrounfällen. Häufig ereignen sich diese tragischen Unfälle im Badezimmer. Das Fehlen einer sauberen Erdung oder eines Fehlstrom-Schutzschalters (FI) kann hier schnell einmal tödliche Folgen haben – etwa beim Berühren des Spiegelschranks, der unbemerkt unter Strom stand, oder wenn elektrische Geräte in der Badewanne verwendet werden.

Damit solche Gefahrenquellen erkannt und ausgeschaltet werden können, schreibt die schweizerische Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV) periodische Kontrollen der elektrischen Hausinstallation vor. Der Hauseigentümer steht damit explizit in der Verantwortung für einen sicheren Zustand und Betrieb der elektrischen Installationen einer Liegenschaft. Der normale Intervall für die periodische Kontrolle beträgt 20 Jahre. Bei einer Handänderung wird ebenfalls eine solche Kontrolle verlangt, wenn seit dem letzten Kontrolltermin mehr als fünf Jahre verstrichen sind.

Unterschätzte Risiken

Bei der periodischen Kontrolle geht es gemäss NIV um «Schutzmassnahmen, Schutzorgane und Isolationen». Das Ziel ist, den Personen- und Sachwertschutz zu gewährleisten. Dazu werden sämtliche Schutzleiter, Sicherungen, Erdungen und Berührungsschutzvorrichtungen einer Hausinstallation geprüft. Daneben untersuchen die Kontrolleure auch die Überstromunterbrecher und den Kurzschlussschutz. Eine wichtige Schutzmassnahme ist die Absicherung gegen Fehlstrom. Seit 1985 sind FI-Schalter für Badezimmer und Aussenräume (z. B. Balkone) vorgeschrieben. Seit 2010 unterstehen auch sämtliche Steckdosen, die erweitert, ergänzt oder neu installiert werden, einer FI-Pflicht (30 Milliampère). Wer eine bestehende Installation verändert oder ergänzt, und sei es «nur» durch die Montage einer zusätzlichen Steckdose, muss also einen FI-Schalter einbauen lassen (Steckvorrichtungen bis und mit 32 Ampère).

Doch mit solchen Schaltungen ist es noch nicht getan. Welche häufigen Gefahrenquellen birgt die Elektroinstallation? André Moser, Leiter Vollzug NIV im Eidgenössischen Starkstrominspektorat (ESTI), nennt die folgenden Punkte: «Am häufigsten sind beschädigte Abdeckungen sowie Installationen, die vom Eigentümer oder Mieter selber erstellt wurden. Dazu gehören zum Beispiel improvisierte Kabelführungen mit Nägeln oder Verlängerungskabel, die durch Türen oder Wände geführt werden.» Neben handwerklich mangelhaften Installationen gibt es laut André Moser auch ein weiteres Risiko: Das Gefahrenpotenzial der Elektrizität wird schlicht und einfach unterschätzt. «Dass man sich in der Badewanne nicht die Haare föhnen soll, weiss bald jedes Kind. Aber heute lesen viele Leute in der Badewanne. Wenn sie zu wenig Licht haben, montieren sie zum Beispiel an der Duschstange einen ganz normalen Klemmspot. Der muss nur herunterfallen, dann hat man eine tödliche Gefahrensituation.»

Probleme bei Altbauten

Respekt vor der Elektrizität und gesunder Menschenverstand sind also weiterhin notwendig. Doch wie steht es um die bauseitige Sicherheit? Hier spielt das Alter eines Gebäudes eine massgebliche Rolle. Die Lebensdauer einer Elektroinstallation beträgt ungefähr 40 Jahre. Im Prinzip kann sie im Zug der normalen Sanierungen erneuert werden. Doch der Schweizer Gebäudepark krankt bekanntlich an der tiefen Sanierungsrate, die etwa ein Prozent pro Jahr beträgt. Deshalb gibt es auch heute noch zahlreiche Gebäude mit alten Elektroinstallationen. In etwa 20 bis 30 Prozent der Altbauten dürften gemäss einer Schätzung des ESTI auch heute noch elektrische Leitungen mit Baumwollisolation oder zweipolige Leitungen vorhanden sein. «Diese Leitungen sind nur für eine Stromstärke von maximal sechs Ampère ausgelegt und besitzen keine Erdung und auch keinen FI-Schutz. Solche alten Installationen aus den 1960er-Jahren sind tendenziell gefährlich», erläutert Moser.

Ein Problem der alten Installationen ist ihre beschränkte Belastbarkeit. Heute werden in Wohnräumen weit mehr elektrische Geräte angeschlossen als 1950, und ihre elektrische Leistung ist beträchtlich angestiegen. Sichtbar wird dies zum Beispiel bei der Verwendung von elektrischen «Heizöfeli». Ein solches Gerät bezieht bis zu 2000 Watt elektrischer Leistung. Die alten Leitungen sind jedoch nur für 1200 Watt ausgelegt. «Das gibt eine Überlast von 800 Watt und damit eine akute Brandgefahr», sagt Moser. Solche Gefahrenquellen werden bei den periodischen Kontrollen in der Regel erkannt und beanstandet: Entweder muss das «Öfeli» verschwinden oder die Hausinstallation erneuert werden. Jedoch gilt für andere Teile der Installation die Besitzstandswahrung. So dürfen etwa alte Steckdosen mit separatem Erdungsstift belassen werden, solange es keine Veränderungen an der Installation gibt. «Sobald man diese Steckdose aber umplatzieren oder erweitern möchte, wird ein Ersatz fällig», sagt André Moser.

Jede zweite Installation beanstandet

In der Schweiz besitzen ungefähr 2000 bis 3000 Firmen eine Bewilligung für die Kontrollen. Eine dieser Firmen ist die SicuroCentral AG. Ihre Sicherheitsberater nehmen pro Jahr rund 7000 periodische Installationskontrollen vor. «Etwa bei der Hälfte der Kontrollen müssen wir etwas beanstanden», sagt Res Luchs, Geschäftsführer der SicuroCentral AG. Manchmal gehe es lediglich um die richtige Beschriftung von Sicherungen auf einem Tableau. «Das können die Eigentümer selber richtigstellen », sagt Res Luchs. Bei ernsthaften Mängeln wie etwa fehlenden Schutzleitern an Steckdosen oder gar falschen Verdrahtungen muss hingegen ein konzessionierter Elektroinstallateur ans Werk.

Wenn solche Arbeiten nötig sind, erhalten die Eigentümer einen sogenannten Prüfbericht inklusive Erledigungsanzeige. Dieser hält die verlangten Massnahmen fest. Sobald ein Elektroinstallateur mittels Unterschrift bestätigt, dass die Mängel behoben wurden, stellt die Sicuro- Central AG den vorgeschriebenen Sicherheitsnachweis aus. Die Frist für die Erledigung beträgt in der Regel drei Monate, sofern die Mängel nicht gravierend sind. Ist bei der Kontrolle hingegen alles in Ordnung, wird der Sicherheitsnachweis sofort ausgestellt. Für die reguläre Sicherheitskontrolle eines Einfamilienhauses mit bis zu fünf Zimmern berechnet die SicuroCentral AG derzeit rund 370 Franken. Ab fünfeinhalb Zimmern beträgt der Richtpreis 420 Franken. Darin enthalten ist nicht nur die Arbeit vor Ort, sondern auch eine Wegpauschale sowie die administrative Arbeit für Berichterstellung und Sicherheitsnachweis.

«Gefährliche Elektroinstallationen im Altbau» ist ein Merkblatt, das sich explizit an Hauseigentümer richtet.

Die periodische Sicherheitsinspektion der Hausinstallation darf nur von Firmen durchgeführt werden, die eine Bewilligung des Eidgenössischen Starkstrominspektorats (ESTI) besitzen. Eine aktuelle Liste dieser Firmen findet sich auf der Website des ESTI

Die gesetzlichen Grundlagen für die Sicherheitskontrollen liefert die Niederspannungs- Installationsverordnung (NIV).