• Familieninterne Unternehmensnachfolge

Familieninterne Unternehmensnachfolge

27.10.2017     KEVIN SEILER Spezialist für Unternehmensnachfolge beim VZ VermögensZentrum in Luzern

Nachfolgeregelung – Oftmals müssen ehe- und erbrechtliche Sachverhalte geprüft werden.

Es ist der Wunsch vieler Firmeninhaber: Ihre Nachkommen sollen einst ihr Lebenswerk übernehmen. Doch allzu oft geht dieser Traum nicht in Erfüllung, und das Unternehmen wird an Dritte verkauft. Grund dafür sind nicht etwa unfähige Töchter und Söhne, sondern die zu spät angepackte Nachfolgeregelung.

Für einen reibungslosen Übergang braucht es oft zehn bis 15 Jahre Vorbereitungszeit. Unternehmer sollten sich deshalb spätestens mit 55 Jahren mit ihrer Nachfolgeplanung auseinandersetzen. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Sicherstellung des Einkommens nach der unternehmerischen Tätigkeit. So bedenken viele Inhaber nicht, dass ein grosser Teil des Vermögens in ihrem eigenen Unternehmen steckt und ihr übriges privates Vermögen in der Regel im Verhältnis zum Unternehmenswert eher gering ausfällt.

Für Inhaber ist es deshalb wichtig, rechtzeitig einen Finanzplan zu erstellen. Dieser zeigt auf, wie sich ihre Einnahmen, Ausgaben und ihr Vermögen im Ruhestand entwickeln. Zudem wird damit ersichtlich, wie hoch der Verkaufserlös oder die Dividendenbezüge sein müssen, damit der Inhaber finanziell abgesichert ist.

Steuern optimieren

Nach Erstellung des Finanzplanes sollten Unternehmer spätestens fünf bis zehn Jahre vor der geplanten Übergabe die Optimierung der Steuern in Angriff nehmen. In manchen Fällen kann es sich lohnen, eine Personengesellschaft, wie eine Einzel-, Kollektiv- oder Kommanditgesellschaft, in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln.

Zum selben Zeitpunkt sollten Unternehmer auch damit beginnen, jenes Vermögen, das für den Betrieb nicht notwendig ist, steueroptimal ins Privatvermögen zu überführen. Unnötige Liquidität und betriebsfremde Vermögenswerte, wie Immobilien und Wertschriften, blähen die Bilanz auf und erschweren den Verkauf möglicherweise erheblich. Überschüssige Liquidität können Firmeninhaber beispielsweise dazu nutzen, um Einkäufe in die Pensionskasse zu tätigen. Diese können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden.

Wer bisher aus steuerlichen Gründen möglichst wenig Gewinn ausgewiesen hat, sollte diese Strategie im Hinblick auf die geplante Unternehmensnachfolge überdenken. Firmen sollten idealerweise eine interne Jahresrechnung (Bilanz und Erfolgsrechnung) führen, die potenziellen Nachfolgern die tatsächliche wirtschaftliche Leistung des Unternehmens aufzeigt. Für die Bewertung der eigenen Firma ist es sinnvoll, eine Fachperson beizuziehen. Je nach Kaufpreis und Transaktionsstruktur ist es Aufgabe des Beraters, steuerliche Vorteile aufzuzeigen, indem beispielsweise eine Akquisitionsholding gegründet wird.

Übergabe rechtzeitig einleiten

Soll ein Unternehmen nach dem Rückzug des Inhabers an einen einzelnen Nachkommen übergeben werden, sind oftmals ehe- und erbrechtliche Sachverhalte zu prüfen und zu beurteilen. Selten ist genug freies Vermögen vorhanden, um den Erbansprüchen der weiteren Nachkommen gerecht zu werden. Setzen pflichtteilsgeschützte Erben dann ihre Ansprüche durch, kann es ohne vorzeitig eingeleitete Massnahmen zur Gefährdung des Unternehmens kommen.

Um sicherzustellen, dass ein Nachkomme das Unternehmen weiterführen kann, ohne die anderen Erben zu benachteiligen, sind verschiedene Optionen zu prüfen, wie:

- die Festlegung des Ausgleichs bei einem möglichen Erbvorbezug;

- die Wiederverkaufs-Gewinnbeteiligungsrechte bei einem späteren Verkauf;

- mögliche Stimmrechtsaktien, oder

- die Gewährung von Minderheitsanteilen.

Ratsam ist, dass der Entscheidungsträger im operativen Betrieb gleichzeitig über die Mehrheit der Firmenbeteiligung verfügt.

Sehr oft scheitert eine Nachfolgeregelung aber auch daran, dass es dem Inhaber schwerfällt, sich von der Firma zu trennen, aus Angst vor einem Identitäts- und Statusverlust oder aber aus Sorge um die Mitarbeiter. Schon vor dem Austritt sollten Unternehmer deshalb Perspektiven für ihre Zukunft entwickeln und auch Freiräume dafür schaffen.