• Ein Garten für Schmetterlinge

Ein Garten für Schmetterlinge

29.03.2018     CLAUDIA EBLING Fachfrau für naturnahen Garten- und Landschaftsbau ZHAW

Naturgarten – Schmetterlinge verzaubern uns mit ihren Farben sowie ihrer Leichtigkeit und Verspieltheit, wenn sie von Blüte zu Blüte tanzen. Bei Gärten sind die hübschen Falter wählerisch. Sie besuchen am liebsten solche, die ihnen Nahrung und Unterschlupf bieten.

Beim Anblick mancher Gärten wird einem schwer ums Herz, weil man darin nichts Passendes für Schmetterlinge findet, weder Nahrung noch Unterschlupf. Immergrüne Nadelhölzer, Thuja und Kirschlorbeer sind für Schmetterlinge wertlos. Schmetterlingsfeindliche Umgebungen haben jedoch in den letzten Jahren im Siedlungsraum zugenommen. Viele Menschen lieben Schmetterlinge, sind sich aber nicht bewusst, was sie ihnen mit einem solch eintönigen Garten antun.

Es braucht nämlich nur wenig Aufwand, um den eigenen Garten oder einen Teilbereich davon in eine Schmetterlingsoase zu verwandeln. Davon profitieren übrigens nicht nur die Schmetterlinge, sondern auch Honig- und Wildbienen und viele andere Insekten, die für die Bestäubung unserer Obst-, Beeren- und Gemüsepflanzen unentbehrlich sind. Und das kommt letztendlich auch uns Menschen zugute.

Nahrung für Schmetterlinge und Raupen

Schmetterlinge ernähren sich von Nektar, einer zuckerhaltigen Lösung, die von Blütenpflanzen produziert wird. Meist bevorzugen die Schmetterlinge einheimische Blumen und Sträucher wie zum Beispiel Johanniskraut, Nachtviole, Günsel, Margeriten, Natternkopf, Fetthenne, Kräuter, Kartäusernelke, Kreuz-, Weiss- und Schwarzdorn, Wildrosen und viele mehr. Die Tagfalter stehen auf kräftige Blütenfarben, während sich die Nachtfalter von Duftpflanzen leiten lassen. Die Nachkommen hingegen, also die Raupen, benötigen meist andere Futterpflanzen. Deshalb ist es von Vorteil, wenn diese Pflanzen ebenfalls im Garten vorhanden sind, denn wer weiss schon, wie weit entfernt die nächsten Raupenfutterpflanzen sind. Die Schmetterlinge legen ihre Eier an diesen Pflanzen ab, damit die Raupen nach dem Schlüpfen gleich einen reich gedeckten Tisch vorfinden.

Pflanzen entscheiden über die Schmetterlingsarten im Garten

Wer spezielle Schmetterlingsarten im Garten fördern möchte, pflanzt deren bevorzugte Nektar- und Raupenpflanzen. Der Schwalbenschwanz zum Beispiel ernährt sich bevorzugt vom Nektar von Löwenzahn, Gundelrebe, Natternkopf, Rotklee oder Wiesenwitwenblume. Seine Nachkommen mögen jedoch Pflanzen aus der Familie der Doldenblütler wie beispielsweise Gewürzfenchel, Dill, Wilde Möhre, Bibernelle, Kümmel, Engelwurz und Sumpfhaarstrang – alles Pflanzen, die man problemlos im Garten haben kann. Und da der Schwalbenschwanz seine Eier einzeln an die Futterpflanzen legt, kommt es auch nicht zu Frassschäden. Diese sind es ja oft, die Gartenbesitzer zur Giftkeule greifen lassen. Sie wollen die Blätter ihrer Gartenpflanzen «schützen », wissen aber nicht, was sie den Schmetterlingen damit antun. Wer sich im eigenen Garten nicht auf einzelne Schmetterlingsarten beschränken möchte, bietet ihnen vom zeitigen Frühjahr (Frühblüher) bis in den Oktober hinein Blüten- und Raupenfutterpflanzen an. Gute Pflanzenlisten findet man in Schmetterlingsbestimmungsbüchern.

Aufpassen sollte man mit exotischen Pflanzen, zum Beispiel mit dem aus China stammenden Sommerflieder (Buddleja davidii), der als beliebter Schmetterlingsstrauch angepriesen wird. Es ist tatsächlich so, dass auf einem Sommerflieder zur Blütezeit sehr viele Nektar trinkende Schmetterlinge zu sehen sind. Jedoch bietet ein Sommerflieder keiner einzigen Raupe Nahrung. Überhaupt bleiben ca. 90 Prozent der Blätter exotischer Pflanzen von den Raupen verschmäht. Zudem gehört der Sommerflieder zu den invasiven Neophyten. Er siedelt sich schnell auf Brachflächen an und verdrängt durch sein schnelles Wachstum die einheimische Flora.

Verstecke und Überwinterungsplätze

Ein Schmetterlingsgarten verfügt aber nicht nur über genügend Nahrung für Falter und Raupen, sondern bietet Schmetterlingen auch Plätze zum Aufwärmen, Übernachten und Überwintern. Und dafür muss ein Garten keineswegs verwildert sein. Falter, die im Winter nicht in den Süden ziehen, überwintern als Puppe an Zweigen oder verdorrten Pflanzenstängeln, manche sogar als adulter Falter. Der Zitronenfalter zum Beispiel hat eine Art Frostschutzmittel in seinem Blut, das ihn davor bewahrt zu erfrieren. Er verharrt reglos an einem Ast hängend, im Loch eines abgestorbenen Baumes, in einem Asthaufen oder im Laub am Boden. Lassen Sie deshalb die schützende Laubschicht über den Winter im Garten liegen, und zwar so lange, bis die wärmenden Sonnenstrahlen die Tiere im Frühling hervorlocken und keine kalten Nächte mehr zu erwarten sind. Die Laubschicht hilft auch anderen Insekten beim Überwintern.

Auch Steinhaufen an der prallen Sonne sind wertvolle Kleinkonstrukte, die Schmetterlingen die Möglichkeit bieten, sich aufzuwärmen.

Weniger ist mehr

Das Credo «Weniger ist mehr» gilt für viele Bereiche, so auch für den Schmetterlingsgarten. Weniger exotische Pflanzen, dafür mehr einheimische Schmetterlingspflanzen. Weniger sterile, aufgeräumte Gärten, dafür mehr Blumenrabatten und mehr Unterschlüpfe. Weniger Aufräumarbeiten im Herbst, dafür mehr Laub am Boden als wärmende Schicht und mehr verdorrte Pflanzenstängel, damit sich die Puppen daran festhalten können. Weniger Gift, dafür mehr Artenvielfalt und mehr Nützlinge wie Schmetterlinge, Marienkäfer und Co., die dem Ungeziefer auf den Leib rücken. Weniger Monotonie, dafür mehr Abwechslung und mehr Leben im Garten. Und genau das bringt mehr Freude ins eigene Grün – Staunen und Beobachten inklusive.

Darüber freuen sich Schmetterlinge

  • Wählen Sie einheimische Pflanzen für Ihren Garten, die nicht nur den Schmetterlingen, sondern auch den Raupen Nahrung bieten – einheimische Sträucher statt Kirschlorbeer und Thuja.
  • Sorgen Sie für ausreichend Plätze, an denen sich die Schmetterlinge aufwärmen können, zum Beispiel auf einem von der Sonne gewärmten Stein- oder Asthaufen.
  • Schaffen Sie Verstecke für die Falter und die Puppen, indem Sie beispielsweise das Laub im Herbst liegen lassen.
  • Weniger Monotonie, dafür mehr Abwechslung im Garten hilft auch den Schmetterlingen. Mehr Blumenrabatten anstelle von sterilen Rasenflächen.