• Eigenartig

Eigenartig

10.11.2017    

Allerheiligen und Allerseelen sind vorbei, und die Toten haben ihre Ruhe zurück. Eine spezielle Geschichte ist mir in den letzten Tagen aber wieder eingefallen: die seinerzeitige Abfallentsorgung in unserer Berggemeinde.

Lange hatten wir gar keine Entsorgung. Irgendwann sammelte dann der Küfer mit einem landwirtschaftlichen Gefährt allen Abfall ein. Erbärmlich stank es immer, wenn dieser selbst gefertigte Kehrichtwagen durchs Dorf fuhr, hinten und oben offen für den Müll, nur an den Seiten mit Brettern vernagelt, und das wenige entsorgte Papier flog natürlich durch die Gegend. 

Der «Güselmaa», also der Küfer, war übrigens auch der Einsarger der Gemeinde. Also Abfall- und Totenentsorger. Das empfand ich damals schon – wahrscheinlich als Einziger im Dorf – als komisch. Aber niemand schien sich daran zu stören. Sicher waren alle einfach froh, dass jemand dafür zuständig war. Mit dem Abfall war es auch so eine Sache. Bei uns zu Hause war es so, dass das bisschen Papier mit der vielen Druckerschwärze als Toilettenpapier sein «Ableben» fand. Der eigentliche, sehr übersichtliche Abfall, notabene ohne Kunststoff, – woher denn auch? – wurde von den Bauern oft in der Wiese vergraben. Wenn also nach einem kleinen Murgang ein Loch im Hang auf Bauers Grundstück prangte, wurde dieses mit Abfall aufgefüllt, und dann nach Jahren mit viel Humus bedeckt. Das war «modernes» Recycling. Ausserdem gab es keine Verschmutzung, denn der Abfall war frei von Kunststoff und anderem. Feste Gegenstände waren im Unrat ohnehin nicht gefragt, das störte nur beim Auffüllen. Die Gemeinde selbst warf den Abfall während vieler Jahre einen Abhang hinunter. Spuren dieser Praktik sind heute nicht mehr auszumachen. Auch auf unserem damaligen Bergheimetli zeugt nichts mehr von der vergangenen Art der Abfallentsorgung. Alles ward sauber entsorgt.

Gegenwärtig produzieren Herr und Frau Schweizer je 730 Kilogramm Müll pro Jahr. Ganze Landschaften könnte mein Vater also heute mit Abfall zudecken.

Ihr (noch) nicht entsorgter Ansgar Gmür

Frau zum Ehemann: «Ach, jetzt, wo ich dich sehe, fällt mir ein: Ich muss den Abfallsack noch runterbringen ...»

Hansli geht mit seiner Oma spazieren. Da liegen 20 Franken auf dem Boden. Hansli möchte das Geld aufheben, doch Oma sagt: «Was auf dem Boden liegt, hebt man nicht auf!» Auch bei einer 50-Franken-Note sagt sie: «Was auf dem Boden liegt, hebt man nicht auf!» Ein paar Meter weiter rutscht Oma auf einer Bananenschale aus und fällt hin: «Hilf mir mal hoch!», ruft sie. Aber Hansli antwortet: «Was auf dem Boden liegt, hebt man nicht auf!»