• Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

23.02.2017     SUSY UTZINGER, Journalistin, Tierexpertin

Bald sind sie wieder überall anzutreffen und suchen nach einem Zuhause: Herzige flauschige Frühlingsbüseli, knuddelige Welpen, junge Kaninchen, Meerschweinchen und andere Kuscheltiere verführen uns im Frühling zur Aufnahme eines neuen Hausgenossen. Wer die süssen Tierkinder sieht, würde sie am liebsten einfach gleich mitnehmen – aber aufgepasst!

Damit die Beziehung mit dem neuen Heimtier die anfängliche Euphorie übersteht und Tier und Mensch über viele Jahre gemeinsam glücklich sein können, ist es wichtig, dass sich der zukünftige Besitzer – oder die ganze zukünftige Besitzerfamilie – Gedanken über Punkte macht, die gerne bei einem Tierkauf in Vergessenheit geraten:

Warum wollen wir ein Tier? Was wünschen wir uns von ihm? Auch wenn die Nachbarn gerade einen Wurf junger Katzen zu vergeben haben oder sich eine günstige Gelegenheit für einen Welpen ergibt, sollten Sie sich konkret fragen, was Sie sich von Ihrem Haustier wünschen. Besonders Tierwünsche von Kindern entstehen oft, weil die Freunde in der Schule oder im Kindergarten auch welche haben – wie viel Arbeit aber hinter einer Tierhaltung steckt, können Kinder nicht absehen. Natürlich lernen sie durch die Haltung von Tieren, Verantwortung zu tragen. Das lernen sie jedoch nicht von alleine: Kindern die Pflege und Haltung von Tieren beizubringen, ist eine grosse Aufgabe. Die Verantwortung für ihre Haustiere können sie nicht «einfach so» von selber tragen, da sind immer auch die Eltern gefragt.

Die Qual der Wahl: Welche Tierart lässt sich mit meinem / unserem Lebenswandel am besten vereinbaren und passt in meinen / unseren Alltag? Es ist sehr sinnvoll, die Anschaffung eines Tieres mit der ganzen Familie zu besprechen. Alle Mitglieder der Familie sind von einem tierischen Familienzuwachs betroffen und sollten bereits im Vorfeld wissen, was auf sie zukommt. Die Frage nach der Tierart bezieht sich nicht auf Form und Farbe des zukünftigen Hausgenossen, sondern vielmehr auf die tierischen Eigenschaften, die sich mit den Lebensumständen der Tierhalter vereinbaren lassen müssen. Lieben Sie die Ruhe? Dann streichen Sie Papageien und viele andere Vogelarten besser aus Ihrer Wunschliste. Sind Sie ein Stubenhocker? Dann vergessen Sie die Anschaffung eines Hundes. Und sollten Sie ein Problem mit Tiergerüchen haben, dann machen Frettchen bestimmt keinen Sinn.

Auch bei Tieren zählen die inneren Werte. Achten Sie bei der Wahl Ihres neuen Hausgenossen nicht nur auf das Äussere, sondern ganz besonders auf die tierischen Eigenschaften (neben der Tierart sind das auch Rasse, Fellbeschaffenheit, Alter, Charakter), die sich mit Ihren Lebensumständen vereinbaren lassen müssen. Beachten Sie, dass die Aufnahme eines Haustieres Veränderungen in Ihrem Haushalt zur Folge haben wird. Hund und Katze bewohnen beispielsweise keine Käfige, sondern sind Mitbewohner der ganzen Wohnung – Tierhaare, der Geruch von Futter oder Einrichtungen wie Kratzbaum, Fressnapf, Katzentüre, WC und Schlafbett können das Gesicht einer Wohnung verändern.

Welche Ansprüche stellt die gewünschte Tierart an die Haltung? Kann ich das bieten? Bin ich bereit, dieses Tier während seines ganzen Lebens bei mir zu behalten? Jede Tierart stellt ihre ganz spezifischen Ansprüche an die Haltung. Chinchillas und Hamster sind nachtaktiv und benötigen während des Tages ihre Ruhe. Hunde brauchen den engen Kontakt zu ihrem Halter, Vögel müssen fliegen können, und die meisten Reptilien (und viele andere Tierarten auch) wollen nicht geknuddelt werden, gehen aber ohne ausgeprägtes Fachwissen ihres Pflegers über kurz oder lang zugrunde.

Auch die Lebenserwartung der verschiedenen Tierarten ist unterschiedlich hoch und muss bedacht sein. Katzen werden gut 12 Jahre alt, manche von ihnen werden auch 20. Hamster bringen es normalerweise auf zwei Jahre, Chinchillas leben gut und gerne 20. Wer sich Schildkröten oder Papageien anschafft – und sie auch artgerecht hält –, muss sogar einkalkulieren, von seinen Tierfreunden überlebt zu werden, denn je nach Art hat hier die Natur um die 80 Lebensjahre vorgesehen. Bei einigen Tierarten sind auch gesetzliche Vorschriften für die Haltung zu beachten, wie beispielsweise Paarhaltung, Gehegegrösse oder Struktur des Käfigs.

Das geht ins Geld – kann und will ich für die Tierbetreuung und -pflege Geld investieren? Und Zeit? In den meisten Fällen ist es nicht der Tierkauf, der die meisten Kosten verursacht, sondern die artgerechte Unterbringung und Pflege des Tieres. So liegt der Kaufpreis von zwei Kaninchen beispielsweise weit unter den Kosten, die für den Bau eines artgerechten Aussengeheges anfallen. Prüfen Sie vor der Anschaffung eines Haustiers, welche Kosten pro Jahr auf Sie zukommen und ob Sie sich das leisten können und wollen.

Auch der Zeitaufwand für manche Tiere darf nicht unterschätzt werden. Das tägliche Bürsten einer Langhaarmieze braucht seine Zeit, und die Haltung eines Hundes – ganz egal, ob gross oder klein – läuft nicht «mal so nebenbei»: Futter, Tierarztkosten, Anschaffungen von Utensilien sowie der Zeitaufwand für tägliche mehrstündige Spaziergänge, die Pflege oder die regelmässige Teilnahme an Hundekursen schlagen aufs Portemonnaie oder beanspruchen den grössten Teil der Freizeit eines Tierhalters.

Jetzt geht’s los

Wer sich nach reiflicher Überlegung und Planung für die Anschaffung eines Tieres entscheidet, steht vor der Wahl, bei welchem Anbieter er das Tier erstehen soll. Das ist ein wichtiger Punkt, denn skrupellose Tierhändler verursachen grosses Tierleid und erwirtschaften mit dem Verkauf von Tieren aus schlechter Haltung enorme Gewinne. Es lohnt sich, gut abzuklären, wo die zum Verkauf angebotenen Tiere herkommen und unter welchen Bedingungen ihre Zucht und bisherige Haltung abgelaufen sind.

Jedes Jahr landen unzählige Tiere aller Arten in Tierheimen und Auffangstationen, weil sie unüberlegt angeschafft und dann wieder abgeschoben wurden. Sie alle haben eine zweite Chance verdient. Warum also nicht ein Tier aus dem Heim aufnehmen? In seriösen Tierheimen sowie in guten Zuchten werden Sie ausführlich über die Tiere und deren korrekte Haltung informiert. Ausserdem werden Ihnen Fragen gestellt. Achten Sie darauf, dass die Übergabe des Tieres mit einem Vertrag abgewickelt wird.

Wer sich die Zeit nimmt, sein neues Tier kennenzulernen und Zucht oder Tierheim mehrere Male zu besuchen, bevor er sich entscheidet, wählt den richtigen Weg. Denn mit tierischen Hausgenossen verhält es sich wie mit menschlichen Freundschaften: Vieles entscheidet sich in der Kennenlernphase.

VORSICHT INTERNETHANDEL

Der Internethandel mit Tieren boomt. Ob es billige Rassehunde sind, die Ihnen angeboten werden, oder ob es sich um angeblich arme Tiere aus fernen Ländern handelt: Hier ist Vorsicht geboten! Wer Tiere per Knopfdruck bestellt, riskiert, dubiosen Tierhandel zu unterstützen.