• Drahtloser Musikgenuss

Drahtloser Musikgenuss

27.01.2017     MICHAEL STAUB, Journalist BR, Kriens

Soundsysteme – Musik wird zunehmend auf dem Computer oder im Internet gespeichert. Moderne Funklautsprecher bieten einfachen Zugriff auf die Songs und binden auch Internetradiosender ein. Mit Modellen von 100 bis 1900 Franken ist die Auswahl gross.

Die Geschichte der Stereoanlage ist eine Geschichte der wachsenden Bequemlichkeit. Zu Beginn musste der Mensch noch aufstehen, um die LP zu wenden. Dann kam die CD mitsamt Dreifachund Fünffach-Wechslern. Und 2001 kam schliesslich der iPod. «1000 Songs in der Hosentasche» lautete sein Versprechen, die HiFi-Industrie lachte darüber. Aber nicht lange, denn schon bald hörten viele Kunden ihre Musik via iPad-Dock, Schallplatten und CDs landeten auf dem Flohmarkt. Seither hat die Anziehungskraft von klassischen Stereoanlagen stark nachgelassen. Und auch Modelle mit eingebautem Dock sieht man nicht mehr häufig.

In vielen Schweizer Haushalten kommt die Musik für das Wohnzimmer heute von der Festplatte oder direkt aus dem Netz. Streaming- Dienste wie Spotify oder Deezer kennt man schon länger, neu mischen auch Amazon (mit Prime Music) und Apple (mit Apple Music) im Geschäft mit. So hat man jederzeit Zugriff auf fast jeden Song und viele hundert Internetradiostationen.

Grosse Auswahl

Für diese Art des Musikhörens sind klassische Stereoanlagen wenig geeignet. Ganz anders die drahtlosen Lautsprecher: Sie versprechen, dass nahezu alle digital verfügbaren Songs über ein Gerät abgespielt werden – und das in akzeptabler bis sehr guter Qualität. Bei der Auswahl eines solchen Produktes sollte man auf verschiedene Dinge achten:

  • Einsam oder gemeinsam? Manche Systeme wie Bose sind primär als «Stand-Alone» konzipiert, sie beschallen also nur einen Raum. Andere Systeme wie diejenigen von Sonos oder Naim können alle Räume einer Wohnung oder eines Hauses mit Musik versorgen.
  • Bedienungsfreundlichkeit. Die Musikauswahl sollte schnell und unkompliziert möglich sein. Alle Hersteller bieten Handy-Apps, Bose sogar eine «richtige» Fernbedienung mit Tasten.
  • Montage. Durch die Funkverbindung fällt zwar das Boxenkabel weg. Akku-Lautsprecher sind aber eher für das Musikhören mit dem Smartphone gedacht. Ernsthafte Funklautsprecher benötigen einen Stromanschluss, ganz ohne Kabel geht es also nicht.
  • Günstig, chic oder lautstark? Die Systeme unterscheiden sich in der Soundqualität, im Bedienkomfort, im Design und natürlich auch im Preis. Das «Füfi und Weggli» gibt es nicht, probehören und vergleichen lohnt sich.

Kräftige Alleinunterhalter

Seit Mitte der 1980er-Jahre produziert der US-Hersteller Bose kompakte Stereosysteme für Einzelräume. Die aktuelle Funklautsprecher-Linie von Bose läuft unter dem Namen «SoundTouch». Das Einstiegsmodell, der SoundTouch 10, kostet rund 180 Franken. Stärker, aber deutlich teurer ist der SoundTouch 30. Er kostet etwa 630 Franken. Eine Besonderheit der Bose-Modelle ist die Fernbedienung in Kreditkartengrösse. Titelwechsel, Lautstärkeänderung oder – immer nützlich – die Pausenfunktion sind so auch möglich, ohne das Smartphone zu zücken. Zudem bietet der SoundTouch 30 sechs Fixstationen für Internetradios. So können die Favoriten einfach gespeichert und mit Knopfdruck aufgerufen werden – eine sinnvolle Kombination analoger Bedienelemente mit digitalem Komfort.

Während die Soundqualität der Bose-Funklautsprecher unbestritten ist, ärgerten sich bei den Vorgängermodellen viele Benutzer über eine unzuverlässige WLAN-Verbindung. Die Geräte der aktuellen Serie III setzen darum ausschliesslich auf Bluetooth. Ein bleibendes Übel scheint jedoch die komplizierte Handy-App für die Bedienung, die von vielen Benutzern schlechte Noten erhält. Ähnliche Probleme plagen die «Omni»- Serie von Harman / Kardon. Der Winzling «Omni 10» (etwa 180 Franken), der den Ton über eine Bluetooth- Funkverbindung erhält, wird von vielen Benutzern als Lautsprecher gelobt, aber mit harschen Worten für seine «unbrauchbare App» kritisiert. Mit etwa 1100 Franken ist der «Beoplay A6» deutlich teurer, erhält aber bessere Bewertungen. Das Gerät stammt von «B & O PLAY», die Wurzeln dieser Firma liegen beim bekannten Hersteller Bang & Olufsen. Das dänische Unternehmen bot schon in den 1980er-Jahren Multiroom- Audio an, damals noch auf Kabelbasis. Der Beoplay A6 kann seine Musik unter anderem über Bluetooth, WLAN oder «Apple Airplay» beziehen. Mit seinen austauschbaren Stoffblenden kann er gut an verschiedenste Einrichtungsstile angepasst werden.

Offen für vieles

Für rasche und unkomplizierte Einrichtung bekannt sind die Funklautsprecher der Firma Sonos. Die 2002 gegründete US-Firma ist zum Platzhirsch der drahtlosen Musik aufgestiegen. Sie bietet eine Reihe unterschiedlicher Lautsprecher an, vom «Play 1» (etwa 220 Franken) bis zum Heimkino-Set inklusive Subwoofer (etwa 1900 Franken). Sonos- Geräte sind in der Einrichtung ausgesprochen unkompliziert. Zusätzliche Boxen können mit minimalem Aufwand in das bestehende Netz eingebunden werden. So kann man sein drahtloses Musiknetzwerk nach und nach auf verschiedene Räume ausdehnen und die Investitionen staffeln. Wer die neuen Lautsprecher auch mit seinem bestehenden CDPlayer oder Plattenspieler bespielen will, kann den «Sonos Connect» kaufen (etwa 350 Franken). Dieses Gerät besitzt verschiedene Anschlüsse für analoge und digitale Audioquellen und eInen eingebauten WLAN-Sender. So bringt man selbst die alten Beatles-Schallplatten auf die neuen Lautsprecher.

Wer hohe Ansprüche an Soundqualität und Design stellt, sollte den «Mu-so» unter die Lupe nehmen (etwa 1300 Franken). Das Gerät stammt vom englischen Hersteller Naim, der unter High-End-Anhängern einen ausgezeichneten Ruf geniesst. Der Mu-so ist im Prinzip eine eigenständige Stereoanlage mit Vollverstärker. Hinter einer austauschbaren Blende sind seine fünf Lautsprecher verborgen, je zwei Hochund Mitteltöner sowie ein Tieftöner. Auffällig ist das runde Bedienelement auf der Gehäuseoberseite. Es besteht aus massivem Aluminium und ermöglicht mit seinem eingebauten Mini-Touchscreen den raschen Zugriff auf wichtige Funktionen. Die «richtige» Steuerung des Mu-so erledigt man mit einem Computer, Smartphone oder Tablet. Bis zu fünf Mu-so können zusammengeschlossen werden und ermöglichen so den Multiroom-Musikgenuss.

Die ganze Welt im Ohr Fast alle drahtlosen Lautsprecher bieten auch einfachen und kostenlosen Zugriff auf Hunderte von Webradiostationen. Meist werden diese nach Ländern, Musikgenre, Jahrzehnten und weiteren Kategorien geordnet. Streaming-Dienste wie Spotify oder Deezer sind in der Regel vorkonfiguriert. Allerdings bietet nicht jedes Gerät dieselben Dienste an. Wer bereits ein Abo besitzt, sollte also vor dem Kauf abklären, ob das gewünschte System mit dem Streaming-Anbieter kompatibel ist.

Soundsysteme Hersteller

www.bose.com
www.harmankardon.de
www.beoplay.com
www.sonos.com
www.naimaudio.com

Die meisten der erwähnten Systeme sind im Elektronikfachhandel sowie in Online-Shops erhältlich. Je nach Bedürfnis kann man die Lautsprecher einzeln, als Stereo-Paar oder gar als «Bundle» für das Heimkino erwerben. Gute Händler bieten auch das notwendige Zubehör wie z. B. Wandhalterungen oder andersfarbige Blenden an. Eine Übersicht der Preise und Konditionen zahlreicher Schweizer Webshops bietet www.toppreise.ch.

Die Geräte von Naim sind im Apple Store erhältlich. Zum identischen Preis kann man sie allerdings bei Schweizer Fachhändlern erwerben, die auch einen zweijährigen Support (im Kaufpreis inbegriffen) und wechselbare Frontblenden anbieten. Details und Händlerliste: www.chektone.ch.