• Die Zukunft ist frei von Torf

Die Zukunft ist frei von Torf

09.05.2018     ERWIN MEIER-HONEGGER, Garten-Center Meier, Dürnten

Garten – Der Bundesrat hat 2012 ein Torfausstiegskonzept für die Schweiz verabschiedet. Was bedeutet der Verzicht auf Torf für die Qualität von Pflanzenerde? Und welche Alternativen gibt es für den eigenen Garten?

Manchmal hat man den Eindruck, dass gekaufte Erde nicht mehr das ist, was sie früher einmal war. Wird der Sack mit Erde geöffnet, will das, was einen anlacht, so gar nicht nach schöner Erde aussehen. Ausserdem macht die Erde heute Probleme, die man früher nie hatte. Waren auch Sie schon frustriert, weil die gekaufte Erde oberflächlich so schnell austrocknet und kaum Wasser aufnimmt? Haben Sie sich auch schon geärgert, dass es nach dem Umtopfen einer Pflanze in der Erde plötzlich von kleinen schwarzen Fliegen wimmelt? Oder dass beim Giessen braunes Wasser aus den Töpfen austritt, das auf dem Boden Flecken hinterlässt, die sich kaum mehr reinigen lassen? Generell hat man das Gefühl, dass die Pflanzen in diesen neuen Erdmischungen schlechter gedeihen als früher. 

Verzicht auf Torf

Grund für die veränderte Struktur und Zusammensetzung der Erdmischungen ist der heutige Verzicht auf Torf. Weil der Torfabbau umwelt- und klimaschädlich ist, hat der Bundesrat 2012 ein Torfausstiegskonzept für die Schweiz lanciert. Spätestens bis 2020 sollen alle Substrate für den Hobbygartenbereich frei von Torf sein.

Die Substituierung dieses wertvollen Rohstoffes ist jedoch nicht ganz so einfach. Torf hat den modernen Gartenbau durch seine biologischen, chemischen und physikalischen Eigenschaften erst möglich gemacht: In Kultursubstraten und Blumenerden ist er seit den 1950er- Jahren vor allem für die Speicherung von Wasser und genau definierbaren Mengen Nährstoffen zuständig. Durch die Porenstruktur gewährleistet der Rohstoff zudem, dass genügend Luft an die Wurzeln gelangt.

Kein Ersatzstoff ist perfekt

Da kein Ersatzstoff alle wertvollen Eigenschaften des Torfs in sich vereint, braucht es eine Kombination aus verschiedenen Komponenten. Beispielsweise wird zur Belebung des Substrats Rindenkompost verwendet. Auch Gartenkompost hat eine hohe biologische Aktivität, allerdings sorgt der Salzgehalt schnell für Stress bei Pflanzen. Holz- und Kokosfasern verbessern die Struktur und die Wasserspeicherfähigkeit. Kokosfasern sind zudem gut für das Luftporenvolumen. Landerde wird als Nährstoff- und Feuchtigkeitsspeicher eingesetzt.

Einige dieser Torfersatzprodukte wie Kompost und biologischer Grunddünger aus Hornprodukten locken jedoch Trauermücken an, weil sich deren Larven gerne von diesem organischem Material ernähren. Daher treten in den Erdmischungen ohne Torf häufiger lästige schwarze (Trauer-)Fliegen auf.

Im Gegensatz zum «toten» Torf ist Kompost «lebendig» und kann sich abhängig von den Rahmenbedingungen unterschiedlich verhalten. Deshalb werden manchmal Gerbstoffe ausgewaschen, die braune Flecken auf dem Boden hinterlassen. Oder es behindern unreife Kompostkomponenten das Wurzelwachstum der Pflanzen.

Anders giessen und düngen

Der Verzicht auf Torf erfordert, dass man die Pflanzenpflege anpasst. Umsichtige und vorausschauende Wassergaben sind in torffreien Substraten noch wichtiger als früher. Die Oberfläche des Substrates trocknet schneller aus, die Erde darunter ist jedoch noch ausreichend feucht. Ausserdem benötigen torffreie Substrate mehr Stickstoff, dafür weniger Kalium und Phosphor, was bei der Düngung berücksichtigt werden sollte. 

Mineralsubstrat statt Erde

Aufgrund von all diesen Faktoren verwendet man bei Gefässbepflanzungen mit mehrjährigen Pflanzen am besten Mineralsubstrat als Ersatz für die «gewöhnliche» Erde. Das Mineralsubstrat besteht aus gebrochenem Blähton, Bims und Lava, ist sehr strukturstabil und hat eine gute Drainagewirkung. Ein weiterer Vorteil dieser Mischung: Sie ist so locker, dass die Wurzeln jederzeit genug Luft bekommen. Insbesondere in grossen Gefässen sieht man, dass Pflanzen in solch strukturierten Substraten ein gesünderes Wurzelwachstum aufweisen als in gewöhnlicher Erde. Wichtig sind jedoch grosszügige Löcher – und dass diese nicht verstopfen.

Torffreie Erde für einjährige Pflanzen

Für einjährige Pflanzen oder im Freiland ist Mineralsubstrat weniger geeignet. Dort ist die Wahl einer qualitativ hochwertigen Torfersatzerde wichtig. Torf ist als Rohstoff so billig, weil er für die Verwendung als Erde nicht bearbeitet werden muss. Torfersatzstoffe müssen jedoch aufwendig raffiniert werden. Wenn bei diesen Prozessen gespart wird, leidet die Qualität. Und für eine schöne Pflanze gibt es keinen entscheidenderen Erfolgsfaktor als die Qualität der Erde. Eine «serbelnde » Pflanze wird in einer guten Erde regenerieren. Eine gesunde Pflanze beginnt in einer billigen Erde jedoch früher oder später zu «serbeln». 

Einheimische Rohstoffe

Einige der Torfersatzstoffe sind ökologisch umstritten. Daher gehen ganzheitlich denkende Unternehmen einen Schritt weiter und setzen auf Erdenmischungen aus heimischen Rohstoffen. So gibt es zum Beispiel Mischungen aus Landerde mit biologischem Rindenkompost und Holzfasern, die ausschliesslich aus der Schweiz kommen und keine tierischen Zusätze enthalten.

Torfausstieg

Der Abbau von Torf verursacht Umweltschäden bezüglich Klima und Biodiversität. In der Schweiz sind die Moore seit 1987 geschützt, daher darf kein Torf mehr abgebaut werden. Jährlich werden aber geschätzt bis zu 524 000 m3 Torf importiert. Um die Torfverwendung in der Schweiz zu reduzieren, haben Vertreter des Detailhandels, des Gartenbaus und der Erden-Produzenten eine Absichtserklärung unterschrieben. Dies ist der erste Schritt zur Umsetzung des Torfausstiegkonzepts des Bundesrats. (Quelle: BAFU, 9.8.2017)

Weitere Informationen zum Torfausstieg finden Sie auf der Website des Bundesamts für Umwelt BAFU: www.bafu.admin.ch 


Wasserabzug

Wasserabzugslöcher im Boden von Gefässen sind mit Löchern in Flaschen vergleichbar. Beim Leeren der Flasche kommt es nicht nur darauf an, dass die Flüssigkeit aus der Flasche hinaus kommt, sondern es muss im Gegenzug auch Luft in die Flasche hinein gelangen, um die ausgegossene Flüssigkeit zu ersetzen. Wenn man die Flasche einfach nur kopfüber hält, gelangt die Flüssigkeit nur stossweise aus der Flasche, weil sie immer wieder auf die einströmende Luft warten muss. Bei einem engen Flaschenhals versiegt das Auslaufen sogar komplett. Ursache ist das Vakuum, welches sich bei dem Austritt von Wasser aus der Flasche bilden möchte.

Genauso verhält es sich bei Löchern in einem Pflanzgefäss. Um Staunässe zu verhindern, ist der grosszügige Durchmesser der Löcher im Gefässboden der wichtigste Faktor. Ausserdem müssen Gefässe auf «Füsschen» stehen, damit eine gute Luftzirkulation unter dem Topf und durch die Löcher sichergestellt ist.


WEITERE INFOS

Die Gärtnerinnen und Gärtner vom Garten-Center Meier in Dürnten stehen Ihnen bei Fragen gerne zur Seite: www.meier-ag.ch