• Die lieben Kinder und der Lärm

Die lieben Kinder und der Lärm

09.11.2015     Thomas Oberle, Jurist beim HEV Schweiz

Es ist kein Geheimnis: Kinder verursachen Lärm und zwar ab und zu ganz beträchtlichen. Das nicht immer zur Freude der Nachbarn. Manch nachbarliche Streitigkeit hat ihre Ursache im lärmigen Verhalten von Kindern. Im Folgenden wird darauf eingegangen, was Nachbarn bezüglich Kinderlärm tolerieren müssen und was nicht.

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist es offensichtlich, dass Wohnzonen auch für den Aufenthalt von Kindern bestimmt sind. Aus diesem Grund ist Kinderlärm in ihnen grundsätzlich normal und deshalb zu dulden. Dies gilt auch für ruhige Wohnzonen.

Kinderlärm als normale Lärmquelle

Kinderlärm wird gegenüber anderen Lärmquellen bevorzugt behandelt. Kinderlärm ist nach Auffassung der Gerichte unvermeidbar und daher sozialadäquat. Es kann nicht erwartet werden, dass sich Kinder in Wohnzonen ruhig verhalten. Sie dürfen spielen und der erfahrungsgemäss mit dem Spiel verbundene Lärm ist hinzunehmen, dieser verstösst also weder gegen das Umweltrecht noch lässt er sich als übermässige Immission im Sinne des Nachbarrechtes qualifizieren (Art. 684 ZGB). Der normale Kinderlärm stellt im Weiteren auch keine Verletzung der Rücksichtnahmepflicht des Mieters dar, welche den Vermieter zur Kündigung des Mietverhältnisses berechtigen würde.

Ruhezeiten beachten

Es kann erwartet werden, dass Eltern ihre Kinder (Babys selbstverständlich ausgenommen) dazu anhalten, sich während den in den Polizeiverordnungen der Gemeinden oder in den Hausordnungen geregelten Mittags- und Nachtruhezeiten möglichst ruhig zu verhalten. Das gilt grundsätzlich auch für Sonn- und Feiertage. An solchen Tagen lässt sich die Einhaltung der Ruhezeit aber wohl kaum vollends durchsetzen, weil sich Kinder nicht stundenlang still verhalten können. Gewisse Beeinträchtigungen durch Kinderlärm sind während solchen Zeiten ebenfalls zu tolerieren.

Nur der übliche Spiellärm

Gestattet ist selbstverständlich nur das übliche kindgerechte Spielen. So müssen Nachbarn nicht hinnehmen, dass Kinder in der Wohnung Ball spielen, Fahrrad fahren, von den Stühlen oder Betten herunterspringen oder Möbel herumschieben bzw. umkippen. Solche Tätigkeiten müssen Eltern unterbinden. Dies als Folge ihrer nachbarlichen Rücksichtnahmepflicht. Zum normalen Spiellärm gehören darüber hinaus auch nicht laute Musik zu hören oder lärmige Partys zu feiern. Kinder sind anzuhalten, bei derartigen Tätigkeiten die Zimmerlautstärke zu beachten. Dies gilt auch ausserhalb der Ruhezeiten. Treppenhäuser, Personenaufzüge, Waschküchen, Keller sind als gemeinschaftliche Einrichtungen keine Spielplätze.