• Den Ruhestand rechtzeitig planen

Den Ruhestand rechtzeitig planen

15.12.2017     SVEN PFAMMATTER Geschäftsbereichsleiter beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Sinkende Renten – Wer demnächst pensioniert wird, sollte jetzt noch letzte Vorkehrungen treffen.

Das Schweizer Vorsorgesystem ist unter Druck: Die Lebenserwartung steigt, die Zinsen verharren auf tiefstem Niveau und der Umwandlungssatz bleibt zu hoch angesetzt. Während die ersten zwei Faktoren nicht geändert werden können, setzen viele Pensionskassen jetzt erneut den Rotstift beim Umwandlungssatz an. Vor diesem Hintergrund wird es noch wichtiger, dass man sich gut auf die Pensionierung vorbereitet und folgende Fehler möglichst vermeidet.

Fehler 1: Rentenleistung überschätzen

In den meisten Fällen decken die heutigen Rentenleistungen aus Pensionskasse und AHV nicht einmal mehr 60 Prozent des zuletzt bezogenen Erwerbseinkommens. Neben der Pensionskassen-Rente überschätzen viele auch die Rente aus der AHV. Sie vergessen beispielsweise, dass Beitragslücken oder ein tiefes Jahreseinkommen die Leistungen erheblich kürzen. Bereits fünf fehlende Beitragsjahre führen zu einer lebenslangen Kürzung der AHVRente von 11 Prozent. 

Fehler 2: Alter schützt nicht vor Rentenkürzung

Viele Pensionskassen sehen bei den Leistungskürzungen eine Übergangsfrist von 5 bis 10 Jahren vor. Das heisst: Je nach Vorsorgeeinrichtung sind auch Erwerbstätige, die bereits 55 oder 60 Jahre alt sind, von den Massnahmen betroffen. Im Gegensatz zu den jüngeren Mitarbeitern bleibt ihnen deutlich weniger Zeit, um die finanziellen Lücken zu schliessen.

Fehler 3: Zu spät mit dem Sparen anfangen

Angesichts der drohenden Rentenkürzungen ist es wichtig, neben den Renten aus Pensionskasse und AHV für das Alter zu sparen. Je frühzeitiger man damit beginnt, umso weniger muss man monatlich zur Seite legen, um im Alter genügend Vermögen zu haben. Dabei lohnt es sich auch, einen Teil des Sparguthabens in Aktien zu investieren.

Fehler 4: Mangelnder Überblick

Zugegeben: Das Thema Altersvorsorge ist kompliziert, und Vorsorgeausweise sind auf den ersten Blick unverständlich. Schieben Sie Ihre Vorsorge aber trotzdem nicht auf die lange Bank. Um im Alter keine Lücke aufzuweisen, ist es wichtig, dass man sich frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzt und die finanziellen, familiären und beruflichen Bedürfnisse analysiert.

Fehler 5: Steuervorteile nicht nutzen

Einzahlungen in die dritte Säule und Einkäufe in die Pensionskasse sind für Erwerbstätige die mit Abstand wirkungsvollsten Massnahmen, um die Steuerbelastung zu senken. So können die einbezahlten Beträge in der Regel vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Die Beiträge in die Säule 3a sind aktuell auf 6768 Franken pro Jahr beschränkt, falls gleichzeitig Beiträge in die Pensionskasse gezahlt werden. Wer keine Pensionskassenbeiträge mehr zahlt, darf bis zu 20 Prozent des jährlichen Nettoeinkommens in die Säule 3a einzahlen, maximal 33 840 Franken. Wie viel man freiwillig in die Pensionskasse einzahlen kann, entnimmt man dem persönlichen Vorsorgeausweis. Dort wird in der Regel das Einkaufspotenzial aufgeführt.

Fehler 6: Zu spät in die PK eingekauft

Generell lohnen sich Einkäufe in die Pensionskasse am meisten in den Jahren vor der Pensionierung, wenn das steuerbare Einkommen am höchsten ist und das Altersguthaben demnächst bezogen wird. Noch höher ist die Rendite, wenn man sich den Einkaufsbetrag bei der Pensionierung schliesslich auszahlen lässt. Aber Achtung: Wer mindestens einen Teil seines Pensionskassenguthabens bei der Pensionierung als Kapital beziehen möchte, muss sich bis spätestens drei Jahre vor der Pensionierung einkaufen. Ansonsten müssen die Steuern, die man dank des Pensionskassen-Einkaufs gespart hat, nachgezahlt werden. 

Fehler 7: Wohneigentum schützt vor Armut im Alter

Viele Eigenheimbesitzer befürchten, dass die Bank nach der Pensionierung plötzlich die Hypothek kündigt und sie ihr Heim verkaufen müssen. Einige amortisieren deshalb einen Teil ihrer Hypothek mit Vorsorgeguthaben, das mit der Pensionierung zur Auszahlung kommt. Die Folge: Das Kapital ist anschliessend im Haus gebunden. Zudem verweigern viele Banken aufgrund des tieferen Renteneinkommens die Aufstockung der Hypothek. Allfällige Renovationen oder Pflegekosten können deshalb zu einem finanziellen Engpass führen. Wer also die Hypothek amortisieren möchte, sollte immer eine ausreichende Reserve an flüssigen Mitteln zurückbehalten.