• Den Enkeln Vermögen schenken

Den Enkeln Vermögen schenken

13.10.2017     RENATO SAUTER Leiter Nachlass VZ VermögensZentrum

Finanzen – Vorsicht beim Vererben von grösseren Summen.

Vielen Grosseltern liegt das Wohl ihrer Enkel sehr am Herzen. Sie möchten ihre Grosskinder deshalb auch finanziell unterstützen, indem sie ihnen einen grösseren Betrag schenken oder sie im Testament berücksichtigen. Was dabei häufig nicht bedacht wird: Sind die Eltern der Grosskinder bereits gestorben, müssen sich die Enkel den erhaltenen Betrag anrechnen lassen und gegebenenfalls einen Teil davon an die Miterben auszahlen. Gleiches gilt bei einer Schenkung, falls ein Grosselternteil innert fünf Jahren stirbt und die gesetzlichen Erben auf ihren Anteil beharren. Grosseltern sollten deshalb folgende Punkte beachten: 

Pflichtteile wahren 

Solange man lebt, darf man mit seinem Geld machen, was man will. Schenken ist also immer möglich, ganz gleich, wie hoch der Betrag ist. Der Ausgleich erfolgt beim Ableben des Schenkenden. Die Höhe des Ausgleichs hängt vom Wert des Erbvorbezuges zum Zeitpunkt der Erbteilung ab. Im schlimmsten Fall kann das die Beschenkten sogar in finanzielle Bedrängnis bringen. 

Ein Beispiel: Eine verwitwete Grossmutter hat ihr Haus vor 25 Jahren ihrem einzigen Enkel übertragen. Seither hat sich der Wert des Hauses fast verdoppelt. Gelangt der Enkel zur Erbschaft, muss er unter Umständen Geld aufnehmen, damit er seine Miterben auszahlen kann. 

Grosskinder als Erben einsetzen 

Zwar können Grosseltern eine Generation überspringen und in einem Testament ihr ganzes Vermögen ihren Enkel vererben. Eine solche Regelung ist aber nur dann umsetzbar, wenn die pflichtteilsgeschützten Erben – also die Kinder und der Ehegatte – damit einverstanden sind und ihren gesetzlichen Pflichtteil nicht erstreiten. Wenn die Pflichtteilserben nicht einverstanden sind, können Grosseltern den Enkeln nur die freie Quote vererben. 

Die freie Quote ergibt sich aus dem gesamten Nachlass abzüglich der Pflichtteile. Je nachdem, wer erbt, ist die freie Quote unterschiedlich gross. Verheiratete Grosseltern mit Kindern können bis zu drei Achtel ihres Nachlassvermögens ihren Enkeln vererben, Alleinstehende mit Kindern höchstens einen Viertel. 

Ausgenommen von der gesetzlichen Ausgleichungspflicht sind Gelegenheitsgeschenke (bis etwa 3000 Franken) und Zahlungen an Nachkommen für die Erziehung und Ausbildung, wenn sie das übliche Mass nicht übersteigen. Enkel gehören dann zum Kreis der gesetzlichen Er ben, wenn der Elternteil bereits gestorben ist, von dessen Familie das Geschenk stammte. 

Vermächtnis statt Pflichtteil 

Grosseltern können ihre Enkel im Testament auch als Vermächtnisnehmer einsetzen. Ein Vermächtnis verfügt in der Regel über bestimmte Gegenstände oder Geldbeträge. Allerdings: Im Gegensatz zur Erbenstellung können Enkel im Falle eines Vermächtnisses bei der Erbteilung nicht mitwirken. Dafür haften sie aber auch nicht für allfällige Schulden. Pflichtteile der übrigen Erben müssen stets gewahrt werden. 

Regeln und Vorbezüge festhalten 

Sollen die Enkel schon mit 18 frei über ein grösseres Vermögen verfügen können, oder ist das zu früh? Solche Einzelheiten kann man mit einer Auflage regeln. In ihren Testamenten können die Grosseltern zum Beispiel festlegen, dass der Enkel oder die Enkelin erst mit 25 frei über die Erbschaft verfügen darf und dass das Geld bis dahin verwaltet wird. 

Zudem ist es wichtig, dass grössere Geschenke und Erbvorbezüge laufend dokumentiert werden. Damit kann Streit unter den Erben vermieden werden.