• Aus Keller wird Wohnraum

Aus Keller wird Wohnraum

27.01.2017     GERHARD BÜRKLI, Bauphysik / Baubiologie, ntb Bürkli AG

Innenausbau – Alte Keller werden in städtischen Regionen immer öfter zu Wohn-, Hobby- oder Lagerräumen umfunktioniert. Was muss beachtet werden, damit die neue Nutzung nicht Schimmelbefall, Feuchtigkeitsschäden und Schadenersatzforderungen von Mietern nach sich zieht?

n den Städten ist Wohnraum knapp und begehrt. Viele Dachräume mit Estrich-Lagerplatz werden zu Wohnungen ausgebaut. Die Bewohner besitzen immer mehr Kleider und Gegenstände, sport- und freizeitbedingt. Also muss der Keller als Lager dienen, jedoch weist dieser gerade in Altbauten oft eine hohe Feuchte auf. Und das führt zu Schimmelbildung und Modergeruch. Denn diese Keller waren für die Lagerung von Früchten und Gemüse bei hoher Feuchte und tiefer Temperatur konzipiert. Durch die bessere Beheizung der darüberliegenden Wohnräume wurde das Problem mit der Feuchtigkeit zwar vorerst entschärft – eine höhere Raumtemperatur führt nämlich zu einer niedrigeren relativen Luftfeuchte. Aber mit der aus energetischen Gründen fortschreitenden Kellerdecken-Dämmung hat sich die Situation wieder verschärft. In Einfamilienhäusern wurden zudem Kellerräume oft zu Hobbyräumen oder Gästezimmern umfunktioniert.

Verschiedene Nutzungsklassen

Zu wenig bewusst war wohl manchen, dass die Ausbaukriterien je nach geplanter Nutzung unterschiedlich sind. Auch bei Neubauten ist dies Architekten teilweise zu wenig klar. Grundsätzlich sind die Anforderungen bezüglich Dichtigkeit, Klima, Beheizung und Dämmung in vier Kategorien aufzuteilen:

  • Kellerraum: anspruchslos, feucht, unbeheizt
  • Lagerraum: trockenes Klima, Luftfeuchte reguliert
  • Hobbyraum, Archiv: leicht gedämmt, trocken, belüftet, evtl. leicht beheizt
  • Wohnraum: beheizt, gedämmt, trocken, Belüftung geregelt

Feuchtebelastung im Keller

Häuser mit Baujahr 1960 und älter haben wenig bis keine seitliche Abdichtung zum Erdreich. Die Mauern im Keller sind also je nach Umgebung mehr oder weniger durchfeuchtet. Oft ist auch die Entwässerung ungenügend oder defekt – Stichwort Dachwasser und Sickerleitungen. Durch Diffusion oder undichte Fugen gelangt Wasser ins Innere und bewirkt eine höhere Luftfeuchte. Sind Naturböden oder solche mit Tonziegel- oder Backstein-Belägen vorhanden, führt dies zu zusätzlichem Feuchteeintrag. Früher war dies durchaus gewollt, heute jedoch meist nicht mehr.

Das missverstandene Kellerklima

Die Zusammenhänge zwischen relativer (Sättigungsgrad der Luft in Prozent bei einer bestimmten Temperatur) und absoluter Luftfeuchte (Wassergehalt in Gramm pro m3 Luft, ungeachtet der Temperatur) gehören nicht unbedingt zum Alltagswissen. Es kann vorkommen, dass sich Hausbewohner bezüglich Kellerlüftung nicht optimal verhalten, und dass es folglich zu einer übermässigen Befeuchtung des Kellers kommt.

Wenn im Sommer feuchtwarme Luft in den Keller oder andere kühle Räume strömt, führt dies zu Kondensation durch Abkühlung. Deshalb ist es nicht sinnvoll, Kellerfenster während der Sommermonate geöffnet zu lassen. Der Keller trocknet durch geöffnete Fenster nicht aus, sondern das Gegenteil ist der Fall – die Feuchte und der Modergeruch nehmen zu. Diese Situation kann durch eine entsprechende Instruktion oder eine mechanische, hygrostatisch geregelte Lüftung gelöst werden, die automatisch für ein gutes Klima sorgt.

Untersuchung der Feuchteursachen

Soll ein Keller zu Wohnzwecken umgebaut werden, empfiehlt es sich, die bestehende Konstruktion auf Feuchterisiken zu untersuchen. Dringt Wasser ein? Sind die Mauern zu feucht? Gibt es starke Kondensation? Auch die Dämmung von Wänden und Böden, die Beheizung, Belüftung und Entfeuchtung sind zu klären, und zwar abgestimmt auf das Nutzungsziel. Dazu kommen «weichere» Faktoren wie Anstriche, Bodenbeläge, Beleuchtung, akustische und schalldämmende Massnahmen etc. Bei Nichtbeachtung feuchtebedingter Gegebenheiten können nach einer Sanierung erneut Modergeruch, Schimmelbefall oder Farb- und Putzschäden für unangenehme Überraschungen sorgen.

Beispiele für Umnutzungen

Die folgenden Beispiele zeigen auf, wie der Kellerraum für die Bewohner in eine nützliche Extrafläche umfunktioniert werden kann.

  • Aus Kriechkeller wird Hobbyraum Unter einem EFH aus den Sechzigern befand sich ein modriger Kellerraum, der vom Vorbesitzer eigenhändig aus dem ehemaligen Kriechkeller gegraben worden war. Der neue Besitzer wünschte sich eine Vergrösserung, eine bessere Nutzung und ein besseres Klima. Dafür wurden 40 m3 Erde ausgehoben, die Wände unterfangen und mit einem mineralischen Anstrich versehen sowie der Betonboden auf Dämmung erstellt. Eine neue Deckendämmung und die Klapptür machten die Sanierung komplett.
  • Alter Keller wird zu Musikzimmer Grössere Eingriffe waren nötig, um aus einem alten Keller ein Musikzimmer zu machen. Der Bauherr wollte ein entsprechendes Refugium, da im Haus kein Platz mehr für die Instrumente war. Realisiert wurde ein Raum mit gedämmtem Boden, mit Kalkdämmputz an den Wänden, mit integrierter Heizung und einer hygrostatisch gesteuerten Lüftung. Zusätzlich wurde eine Schallschutzdecke eingebaut.
  • Aus Moderkeller wird Lagerraum Wasserlachen am Boden, Modergeruch, verrottete Holzverschläge, desolate Vorplätze und eine defekte Kanalisation: So präsentierte sich die Situation von Keller und Umgebung eines im Übrigen liebevoll sanierten Jungendstilhauses an bester Lage. Durch eine komplette Sanierung entstand ein trockener und heller Keller, der sich nun für Lagerzwecke eignet. In die neuen Fenster integrierte Passivlüfter und hochdiffusionsfähige Kalkputze sorgen für ein gutes Klima.

Der Keller – das Stiefkind

Während Wohnungen regelmässig saniert und modernisiert werden, fristet der Keller meist ein Schattendasein. Doch er birgt Potenzial für mehr. Eine gut geplante Sanierung kann einen Mehrwert für die Bewohner bringen.