• Aufzugsnormen kennen

Aufzugsnormen kennen

11.08.2017     THOMAS AMMANN dipl. Arch. FH, Ressortleiter Energie- und Bautechnik beim HEV Schweiz

Liftnormen – Aufzüge sind von einer Vielzahl von Normen betroffen. Nicht nur für Neuinstallationen, sondern auch für bestehende Anlagen gibt es entsprechende Vorschriften.

Aufzüge zählen zu den sichersten «Verkehrsmitteln». Damit dies so bleibt, werden die gängigen Normen laufend angepasst und erneuert. Mittlerweile hat der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein über 40 Normen für Aufzüge, Fahrtreppen und Lastenaufzüge in Neubauten sowie in bestehenden Gebäuden publiziert. Bei diesen Normen handelt es sich im Wesentlichen um europäische Normen, die in das schweizerische Normenwesen übernommen wurden.

Die für neue Aufzugsanlagen massgebenden Normen wurden 2014 neu publiziert. Dabei handelt es sich um die Normen EN 81-20 «Sicherheitsregeln für die Konstruktion und den Einbau von Aufzügen – Aufzüge für den Personen- und Gütertransport – Teil 20, Personen- und Lastenaufzüge » (SIA 370.020) sowie EN 81- 50 «Konstruktionsregeln, Berechnungen und Prüfungen von Aufzugskomponenten » (SIA 370.050). Sie lösen per 1. September 2017 definitiv die Normen EN 81-1 und 81-2 ab.

Ein Grossteil der Neuerungen betrifft die Sicherheit bei der Wartung, so zum Beispiel, dass Schutzräume im Schacht neu grösser ausgebildet werden müssen. Auch die Ansprüche an die Schachtbeleuchtung sind gestiegen. Für die Fahrgäste wird mittels hellerer Kabinenbeleuchtung und einer verbesserten Türverriegelung ebenfalls für zusätzliche Sicherheit gesorgt.

Sicherheitsnachrüstungen

Die Safety Norm for Existing Lifts (SNEL) ist eine europäische Sicherheitsnorm für bestehende Aufzüge, die auf 74 Gefährdungspunkte bei vorhandenen Aufzügen hinweist. In der Schweiz wurde die SNEL am 1. Juli 2004 als SIA-Norm 370.080 publiziert.

Stehen bei älteren Aufzugsanlagen grössere Unterhaltsarbeiten an, ist es ratsam, den Lift gleichzeitig hinsichtlich des Sicherheitsstandards anzupassen. Aus der Liste der 74 Gefährdungspunkte schreibt der Kanton Zürich sieben Punkte zur Umsetzung vor (vgl. Kasten).

Gesetzlich vorgeschrieben ist die Umsetzung einzelner Punkte der SNEL bisher erst in den Kantonen Genf, Glarus, Tessin und Zürich. In den restlichen Kantonen empfiehlt es sich dennoch, diese Punkte zu prüfen und den Aufzug gegebenenfalls nachzurüsten. Bei einem allfälligen Unfall werden sich die Gerichte voraussichtlich auf diese Norm berufen und auf die definierten Gefährdungspunkte der Kantone, die sie bereits umgesetzt haben, verweisen.

Wer sich bei der Nachrüstung seines Aufzuges oder bei einem Ersatz nicht nur auf den Lifthersteller verlassen will, hat die Möglichkeit, bei unabhängigen Ingenieurbüros eine entsprechende Ausschreibung mit Offertvergleich zu bestellen. Die zu investierenden 2000 bis 2500 Franken für das Ingenieurbüro werden oftmals durch Kosteneinsparungen dank des optimal gewählten Produkts wieder eingespart.

Notrufeinrichtungen

Mit dem Abschalten der analogen Telefonleitungen per Ende 2017 müssen auch etliche Aufzüge in der Schweiz hinsichtlich ihrer Notrufeinrichtungen nachgerüstet werden. Für neuere Anlagen, die bereits über eine Zweiweg-Notrufeinrichtung verfügen, ist dies mit einem Mobilfunkadapter einfach möglich. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass diese Geräte 3G- respektive 4G / LTE-tauglich sind, da auch das 2G-Mobilnetz in drei Jahren abgeschaltet wird.

Bei älteren Aufzugsanlagen, die noch über einen Telefonhörer in der Kabine oder über gar keine Notrufeinrichtung verfügen, wird die Umrüstung einiges teurer. Neben dem Mobilfunksender muss die gesamte Gegensprechanlage ausgetauscht beziehungsweise neu eingesetzt werden. Als Alternative bietet die Swisscom einen notstromgestützten IP-Anschluss an. Allerdings fallen die Betriebskosten für den IPAnschluss und den regelmässigen Ersatz der Batterie höher aus als bei einer Mobilfunklösung. Entsprechend wird diese Lösung als Übergangslösung bis zur nächst grösseren Aufzugserneuerung empfohlen.

Zukunft Fernwartung

Neben der einfachen Mobilfunklösung kommen, insbesondere in neuen Aufzügen, vermehrt sogenannte Machine-to-Machine-Systeme (M2M) zum Einsatz. Mittels dieser Systeme lässt sich ein Aufzug auch von extern steuern. So kann zum Beispiel bei einer Störung des Kommunikationssystems der Aufzug über einen Steuerbefehl zu einem sicheren Halt gefahren werden, die Türen können geöffnet und der Lift kann blockiert werden, bis die Störung behoben ist.

Einige Lifthersteller haben zudem begonnen, über M2M gezielt Betriebsdaten von Aufzugsanlagen zu erfassen, oder sie setzen Sensoren bei Verschleissteilen ein. Dies ermöglicht den Servicetechnikern, Trends auszumachen, wann und wo Handlungsbedarf besteht, bevor Störungen auftreten und Aufzüge für längere Unterhaltsarbeiten ausfallen. Dies erhöht die Sicherheit zusätzlich und erleichtert das Unterhaltsmanagement.

Gefährdungspunkte

Aus der Liste der 74 Gefährdungspunkte der Safety Norm for Existing Lifts (SNEL) schreibt der Kanton Zürich die folgenden sieben Punkte zur Prüfung und Behebung vor:

  • Ungenügende Anhaltegenauigkeit der Aufzugskabine
  • Fehlende Kabinenabschlusstüre
  • Fehlende Notrufeinrichtung
  • Fehlende oder ungenügende Notbeleuchtung der Kabine
  • Ungeeignetes Glas in Schachttüren
  • Kritisches Verhältnis von Nutzfläche zu Nennlast
  • Fehlende oder unzulängliche Puffer