• Aufgepasst bei Vorsorgefalle im Konkubinat

Aufgepasst bei Vorsorgefalle im Konkubinat

01.09.2017     ROMINA MUTTER, Leiterin Vorsorgeberatung beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Unverheiratete Paare werden im Todesfall benachteiligt. Wie sorgen im Konkubinat lebende Paare vor, damit der hinterbliebene Partner trotzdem finanziell so gut wie möglich abgesichert ist?

 

Unverheiratete Paare werden im Todesfall benachteiligt. Wie sorgen im Konkubinat lebende Paare vor, damit der hinterbliebene Partner trotzdem finanziell so gut wie möglich abgesichert ist?

Immer mehr Paare entscheiden sich heute bewusst gegen eine Heirat. Was viele nicht wissen: Rechtlich sind Konkubinatspaare im Alter oder im Todesfall deutlich schlechter abgesichert als Ehepaare. Dies ist sogar auch dann der Fall, wenn unverheiratete Paare sehr lange zusammenleben oder gemeinsame Kinder haben.

Hinterlassenenleistungen nur durch 2. Säule möglich

Im Todesfall haben Konkubinatspaare keinen Anspruch auf Hinterlassenenleistungen der AHV. Diese sichert nur Verheiratete und Kinder ab. Anders sieht es bei der 2. Säule aus: Je nach Reglement kann es sein, dass die Pensionskasse des verstorbenen Partners freiwillig eine Rente oder eine einmalige Kapitalabfindung auszahlt. Dazu müssen Konkubinatspaare allerdings eine oder mehrere Bedingungen erfüllen:

  • die Lebenspartnerschaft dauerte zum Zeitpunkt des Todes mindestens fünf Jahre;
  • der hinterbliebene Partner wurde vom Verstorbenen finanziell erheblich unterstützt;
  • der hinterbliebene Partner sorgt für ein gemeinsames Kind.

Darüber hinaus verlangen die meisten Pensionskassen, dass die versicherte Person zu Lebzeiten eine schriftliche Begünstigungserklärung zugunsten des Lebenspartners eingereicht hat. Eine solche Begünstigungserklärung können Konkubinatspaare bereits dann abgeben, wenn heute noch keine der Bedingungen für eine Partnerrente erfüllt ist. Die Pensionskasse prüft dann nach dem Tod des Versicherten, ob der Lebenspartner Anspruch auf Hinterbliebenenleistungen hat. 

Testament aufsetzen

Im Gegensatz zu Ehepartnern werden Konkubinatspartner bei der gesetzlichen Erbfolge nicht automatisch berücksichtigt. Das heisst: Im Todesfall gehen die Partner leer aus. Besonders prekär ist dieser Umstand für Paare, die gemeinsam eine Liegenschaft besitzen. Im Todesfall muss der Partner das Haus unter Umständen verkaufen, um die übrigen Erben auszahlen zu können.

Um dem Partner einen Teil des Vermögens vermachen zu können, müssen Konkubinatspaare ein Testament aufsetzen. Allerdings gibt das Erbrecht enge Schranken vor. Hinterlässt ein Konkubinatspartner zum Beispiel Kinder, kann er seinem Partner nur einen Viertel seines Vermögens im Testament zuweisen, weil der Pflichtteil der Nachkommen drei Viertel beträgt. Sind keine Nachkommen vorhanden, haben die Eltern Anspruch auf einen Pflichtteil. 

Steuerliche Konsequenzen

Um ihren Partner vor den finanziellen Folgen im Todesfall zu schützen, schliessen viele Konkubinatspartner eine Todesfallrisikoversicherung ab. Auf dem Todesfallkapital ist eine Auszahlungssteuer fällig.

Erhält der Konkubinatspartner zusätzlich eine Erbschaft / Schenkung, fallen je nach Kanton sehr hohe Erbschafts- und Schenkungssteuern an. Konkubinatspartner zahlen zum Beispiel im Kanton Basel- Stadt für ein Erbe von 250 000 Franken rund 26 000 Franken Steuern. Im Kanton Zürich sind es 42 000 Franken. Bestand das Konkubinat seit weniger als fünf Jahren, fallen in Basel- Stadt sogar über 78 000 und in Zürich 57 000 Franken Steuern an, weil die Steuerbehörde in diesem Fall den Tarif für Nichtverwandte anwendet. Ehepartner hingegen sind von der Erbschafts- und Schenkungssteuer befreit. 

Höhere AHV-Altersrente

Besser gestellt sind unverheiratete Paare einzig bei der Altersvorsorge, namentlich bei der AHV: Ehepaare erhalten zusammen höchstens 3525 Franken AHV-Altersrente. Paare im Konkubinat können hingegen bis zu 4700 Franken bekommen, wenn beide Partner Anspruch auf die maximale Einzelrente haben. Diese Tatsache kann vor allem für diejenigen Paare von Bedeutung sein, die im fortgeschrittenen Alter eine Heirat erwägen.

Kurs Erben & Schenken
BILD: GRAFIKPLUSFOTO / FOTOLIA

Kurs Erben & Schenken

Tipps für die rechtzeitige und professionelle Regelung Ihres letzten Willens.