• Attraktive Heizölpreise helfen sparen

Attraktive Heizölpreise helfen sparen

29.09.2016     STEFAN FEER, Leiter Energiemärkte Migrol AG

Preisentwicklung – Die Heizölpreise sind so attraktiv wie seit fünf Jahren nicht mehr. Grund dafür sind ein Überangebot an Rohöl, tiefe Frachttarife auf dem Rhein und ein schwacher Dollar. Wer jetzt Heizöl bestellt, kann sich schon heute auf den Winter freuen.

Erdölprodukte, insbesondere Heizöl, gehören zu den zentralen Energieträgern der Schweiz. Über 50 Prozent der Schweizer Heizungen werden mit Heizöl befeuert. Bei Hauseigentümern steht daher ganz klar der Heizölpreis im Fokus. Wer Ende Juli 2016 sein Heizöl bestellt hat, konnte zu Preisen einkaufen, wie sie in den Monaten zuvor auf dem Markt nicht zu finden waren. Der Preisverfall am Rohölmarkt ist aber vorerst zu Ende, und seit dem 3. August 2016 steigen die Preise wieder an.

Doch was sind die Indikatoren, die den Heizölpreis in der Schweiz letztlich bestimmen? Es ist nicht primär das Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Schweizer Markt, das hier ins Spiel kommt. Die internationalen Notierungen an den Ölbörsen in London und New York, der Dollar-Kurs sowie die Rheinfrachten nach Basel bestimmen weitgehend den Kursverlauf bei unserem Heizöl.

Unterschiedlich starke Faktoren

Den grössten Einfluss auf den Heizölpreis in der Schweiz haben die Notierungen an den internationalen Börsen. Wer diese Preisentwicklungen näher verfolgt, stellt fest, dass diese sowohl von fundamentalen wie auch von psychologischen Faktoren beeinflusst werden. Fundamentale Faktoren sind messbare Grössen, wie z. B. Wirtschaftsdaten aus China und den USA, effektive Veränderungen der globalen Fördermengen oder die Zinspolitik bedeutender Nationalbanken. Zu den psychologischen Faktoren zählt alles, was unter dem Begriff der Erwartung subsummiert werden kann und somit in die Welt der Spekulation verbannt werden muss. Dazu zählen natürlich die zu erwartende Fördermenge, angekündigte Streiks oder aufkeimende politische Spannungen. So hatte alleine die Ankündigung, dass gegen Ende September in Algier ein informelles Treffen der Mitglieder der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) stattfinden würde, die Preise nach oben getrieben. Der Markt ging somit von einer bevorstehenden Kürzung des Angebotes aus.

Einen weit geringeren Einfluss auf die Heizölpreise haben das Wechselkurs- Verhältnis zwischen US-Dollar und Schweizer Franken sowie die Veränderung der Rheinfrachten Rotterdam – Basel. Seit mehreren Jahren profitieren die Schweizer Heizölkunden von einem tiefen Dollar-Kurs. In den letzten zwölf Monaten stieg der Wert eines Dollars nur selten über einen Franken und schwankte in der Regel zwischen 96 und 99 Rappen. Wie sich der Dollar in Zukunft entwickeln wird, ist selbstverständlich offen, doch die Hoffnung auf eine USZinswende beginnt den Kurs allmählich zu stärken.

In der Diskussion rund um den Heizölpreis geht die Rheinfracht häufig vergessen. Der Frachttarif richtet sich einerseits nach dem Wasserstand des Rheins und anderseits nach der Nachfrage nach Schiffsraum. Tiefer Wasserstand aufgrund einer längeren Trockenphase und hohe Nachfrage führen zu hohen Frachttarifen. Diese Situation lag im Frühherbst 2015 vor. Der umgekehrte Fall, hoher Wasserstand und schwache Nachfrage, wie es im ganzen Sommer 2016 der Fall war, führt zu tiefen Frachtkosten. Die Spanne zwischen Höchst- und Tiefstpreis kann durchaus bis gegen 90 Franken pro Tonne Heizöl betragen oder umgerechnet auf 100 Liter Heizöl 7,50 Franken. Tendenziell steuern wir einmal mehr auf eine trockene Wetterphase zu. Die Monate September, Oktober und November gelten generell als niederschlagsarm, die Frachten dürften in diesen Monaten deutlich ansteigen. Manch ein Reeder wird sich ab Mitte November nach dem sogenannten Adventswasser sehnen. Dieses wird dazu beitragen, dass die Flüsse wieder mehr Wasser führen und die Frachttarife entsprechend günstiger werden.

Heizöl einkaufen – zum richtigen Zeitpunkt

Früher war alles ganz anders. Der Heizölkunde deckte regelmässig seinen Jahresbedarf ab, beispielsweise immer Anfang September. Heute agiert der Kunde differenzierter. Er ist in der Regel dank Internet, Newsportalen oder Fachgesprächen mit seinem Lieferanten gut informiert und wartet den für ihn richtigen Einkaufszeitpunkt ab. Vergleicht er die Heizölpreise der letzten fünf Jahre, so stellt er fest, dass diese zur Zeit sehr interessant sind. Man darf davon ausgehen, dass das weltweite Überangebot an Rohöl weiterhin preisbestimmend sein wird – auch wenn es allenfalls zu Förderbeschränkungen seitens der OPEC kommen sollte. Die Heizölpreise dürften deshalb noch länger auf attraktivem Niveau verharren, selbst wenn mit einer gewissen Volatilität gerechnet werden muss.