• Algen und Pilze an der Hausfassade

Algen und Pilze an der Hausfassade

18.04.2017     THOMAS AMMANN, dipl. Arch. FH, Ressortleiter Energie- und Bautechnik beim HEV Schweiz

Die Fassade ist das Gesicht eines Gebäudes. Algen- oder Pilzbewuchs können dieses unansehnlich erscheinen lassen. Welche Sanierungsmassnahmen eignen sich und wie beugt man vor?

Fassaden schützen Gebäude vor Witterungseinflüssen und halten die Innenräume warm. Aufgrund der besser als früher gedämmten Gebäude zeigen sich heute häufiger Algen- und Pilzbewuchs an den Fassaden. Algen führen zu grünen Verfärbungen, die Pilze werden als gräulich bis schwarze Ablagerungen wahrgenommen.

Voraussetzungen für Algen- und Pilzwachstum sind das Vorkommen von entsprechenden Mikroorganismen, Feuchtigkeit sowie einem Nährboden. Algen- und Pilzsporen finden sich überall in der Luft. Als solche sind sie auch nicht gefährlich. Entwickeln können sie sich erst mit dem entsprechenden Nährstoff. Bei den Algen reicht hier die Photosynthese aus. Pilzsporen benötigen organischen Kohlenstoff, der sich beispielsweise in Dispersionsfarben oder -putzen befindet. Auch nur schon Staub, der sich auf Fassaden ablagert, genügt den Pilzsporen, um zu wachsen.

Die Feuchtigkeit ist die ausschlaggebende dritte Komponente, die den Bewuchs begünstigt. Wasser kann auf ganz unterschiedliche Weise an die Fassade gelangen. Verstopfte Wasserrinnen oder Balkonentwässerungen führen dazu, dass Wasser über die Fassade läuft. Dasselbe gilt für schlecht ausgebildete Tropfnasen. Regen, oder im Sockelbereich Spritzwasser, können ebenfalls Ursache für eine zu hohe Oberflächenfeuchtigkeit sein. Der grösste Verursacher ist allerdings die Tauwasserbildung auf der Fassade. Aufgrund der guten Dämmeigenschaft von Fassaden, die mit mehr als 60 Millimeter Dämmung versehen sind, sinkt die Oberflächentemperatur auf der Wandoberfläche in kalten Nächten unter die Aussentemperatur und es kann sich Kondensat bilden. Demnach ist auch zu erklären, weshalb in erster Linie die West- und Nordfassaden von Algen- und Pilzbildung betroffen sind. Diese Gebäudeseiten trocknen im Tagesverlauf deutlich weniger schnell ab.

In höheren Lagen ist das Risiko aufgrund der tieferen Luftfeuchtigkeit geringer.

Schadensbild

Inwieweit ein Algen- oder Pilzbefall für die Fassade schädlich ist oder lediglich als unschön gilt, ist unter Fachleuten umstritten. Das Schadensbild kann sehr unterschiedlich sein und massgeblich darauf hinweisen, wie Feuchtigkeit auf die Fassade gelangt. Lokale Verfärbungen haben meist einen lokalen Ursprung. Bei grossflächigem Befall können sich je nach Unterkonstruktion verschiedene Muster abzeichnen. Am häufigsten sind die Dübelstellen der Wärmedämmung zu erkennen. An diesen Stellen ist die Oberflächentemperatur aufgrund der Wärmebrücke durch den Dübel höher und die Feuchtigkeit auf dem Putz somit geringer. Entsprechend bildet sich dort kein Algenoder Pilzbewuchs. Aus demselben Grund können sich auch Plattenstösse abzeichnen, wenn die Platten unter dem Verputz schwinden.

Bilden sich über dem Fenstersturz Algen oder Pilze, ist dies oftmals ein Zeichen für falsches Lüftungsverhalten. Durch Fenster in Dauerkippstellung entweicht permanent warmfeuchte Luft, die an der kalten Fassadenoberfläche wieder auskondensiert und die Fassade in diesem Bereich dauerhaft feucht hält.

Sanierungsmassnahmen

Bei der Sanierung einer Fassade geht es darum, die Fehlerquellen zu eruieren und falls möglich zu beheben. Insbesondere bei Schäden aufgrund von Spritzwasser im Sockelbereich ist dies meist einfach möglich. In einem ersten Schritt muss die Fassade gründlich gereinigt werden. Dies kann durch Desinfektionsmittel und anschliessendes Abbürsten oder mithilfe von Wasserhochdruck geschehen. Dabei ist der Druck an die Fassadenbeschaffenheit anzupassen, um die Fassade nicht zu verletzen. Anschliessend folgen auf die gut getrocknete Fassade eine Grundierung und ein Anstrich, der pilz- und algenwidrig ist. Durch das Aufbringen eines zweiten Anstriches werden die Kapillaröffnungen auf der Putzoberfläche besser geschlossen und es kann sich weniger Schmutz ablagern.

Vorbeugen

Neben der eigentlichen Fassadensanierung können auch vorbeugende Massnahmen getroffen werden. Bäume und Sträucher sind so zurückzuschneiden, dass die Fassade besser austrocknen kann. Abläufe und Entwässerungen sind zu reinigen und allenfalls zu verbessern. Vorstehende Fensterbänke, Dachrandabschlüsse oder Abdeckungen sollten mindestens 30 Millimeter über die Fassade hinausragen. Vordächer schützen die dreifache Höhe ihres Überstandes unterhalb des Daches.

Bei Neubauten – oder bei Gebäuden, die grundlegend erneuert werden – kann auch die Verwendung von mineralischen Produkten in Erwägung gezogen werden. Zumindest was den Pilzbefall anbelangt, bieten diese Produkte durch ihre alkalische Zusammensetzung und dank feuchteausgleichender Eigenschaften weniger günstige Bedingungen für einen Befall.