HDTV: Die Zukunft des Fernsehens
Die Fernsehwelt hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. Grosse Bildschirme ziehen in die Haushalte ein und garantieren unter anderem höchste Bild-Qualität. Bild Philips
Man kennt das ja: In immer kürzeren Abständen propagiert die Heimelektronik-Industrie mit blumiger Werbepoesie irgendwelche Neuheiten. Doch vieles, was da als sensationell angepriesen wird, erweist sich bei näherer Betrachtung als nebensächlich oder gar überflüssig. Mit einer Ausnahme: Wenn es um HDTV geht, hat der abgelutschte und viel missbrauchte Slogan von den «neuen Dimensionen» für einmal seine volle Berechtigung.
Die Sache ist nämlich diese: Fernsehen und Video, wie wir sie heute kennen, wurden in der Schweiz Mitte des letzten Jahrhunderts eingeführt. Bis heute funktionieren sie nach denselben, archaischen Prinzipien wie vor 50 Jahren und in den engen Qualitätsgrenzen von damals. Klar, dass das für heutige Ansprüche und für die Zukunft einfach nicht mehr gut genug ist.
Grosse Bilder verlangen höhere Bildqualität
In den Schweizer Haushalten stehen nämlich immer grössere Bildschirme. Nun weiss man vom Kino, dass das Betrachten grosser Bilder bedeutend eindrücklicher und auch angenehmer für die Augen ist, als das angestrengte Starren in ein mickriges Guckloch. Aber die Grösse der neuen Flachbildschirme lässt eben auch die Unzulänglichkeiten des althergebrachten PAL-Fernsehens unangenehm deutlich werden.Grosse Bilder verlangen nach höherer Bildqualität vom Fernsehsender. Das althergebrachte Fernsehen kann sie nicht liefern, also beginnt man jetzt mit einem vollkommen neuartigen, rein digitalen System, das mit dem bisherigen überhaupt nichts mehr gemeinsam hat. Eine neue «Stunde Null» des Fernsehens sozusagen, der Beginn eines neuen Fernseh-Zeitalters in einer bisher ungekannten Qualität.
«High Definition» heisst das neue Zauberwort, also «hochauflösendes Fernsehen». Damit kommt endlich die ersehnte, enorme Steigerung der Bildschärfe ins Haus. Techniker schwärmen von fünf Mal soviel Bildinformation und progressivem Bildaufbau, als Zuschauer erlebt man eine wunderbare, flimmerfreie Klarheit, einen faszinierenden Detailreichtum und eine räumliche Tiefe, die schon fast dreidimensional wirkt. Aber das ist noch nicht alles: HDTV wird immer und ausschliesslich im augenfreundlichen Breitbildformat ausgestrahlt und sogar digitaler Surroundsound ist Standard. Keine Frage: Wer das einmal erlebt hat, der will nichts anderes mehr.
Von den Studios verlangt die Umstellung auf das Fernsehen der Zukunft eine komplett neue Infrastruktur. Das ist teuer und kostet Zeit, folglich wird es etliche Jahre dauern, bis sämtliche Sender das neue System eingeführt haben werden. Die gute Nachricht: Schon heute werden in Europa zwischen Schweden und Zypern über die verschiedenen Satelliten weit mehr als 100 Fernsehprogramme in der neuen Qualität ausgestrahlt. Die weniger gute Nachricht: Die überwältigende Mehrheit dieser Programme ist nur in einem kostenpflichtigen Abonnement zu bekommen. Doch auch mit den gratis zu empfangenden Programmen geht es munter voran.
Führende Schweiz
Die SRG SSR idée suisse betreibt schon seit zwei Jahren den international hoch gelobten Sender HD Suisse mit Filmen, Serien, Konzerten, Opern, Dokumentationen und sehr viel Sport-übertragungen. HDTV gratis gibt es auch von Anixe, Arte, BBC, ITV, ORF 1, Luxe-TV, Fashion-TV, Servus-TV und anderen. Im kommenden Februar werden ARD und ZDF auf HDTV umstellen, auch die Privatsender Pro 7, Sat 1, RTL, Vox und Kabel1 sind auf dem Sprung. Und in zweieinhalb Jahren werden alle sechs regulären Schweizer Fernsehprogramme in hochauflösender Qualität zu empfangen sein.
Dass die Zukunft des Fernsehens HDTV heisst, steht ausser Zweifel. Da tut man gut daran, sich schon heute auf dieses neue Zeitalter einzustellen. Also: Was braucht man, um sich diese Zukunft schon heute ins Haus holen zu können? Erstens und vor allem einen grossen Flachbildschirm. Der trägt heutzutage das Logo «HD-ready», damit wird garantiert, dass er alle notwendigen technischen Voraussetzungen erfüllt. Zweitens muss man irgendwoher digitale Fernsehprogramme beziehen und hier stehen 3 Varianten zur Wahl – Satellit, Kabelnetz und Telefonnetz. Dabei spricht zunächst sehr viel für Satellitenempfang: Eine ungeheuere Menge an Programmen, auch solche aus fernen Ländern, optimale Bild- und Tonqualität, keine Monatsgebühren.
Doch nicht jeder Hausbesitzer findet den Anblick einer Satellitenschüssel auf seinem Dach erstrebenswert, das macht das Kabelfernsehen interessant. Wobei dieses nicht nur von den klassischen Kabelnetzbetreibern angeboten wird, sondern seit einiger Zeit unter dem Namen Bluewin-TV auch von der Swisscom.
Freilich, das kostet Gebühren wie ein Zeitschriftenabonnement und es stellt nicht ganz so viele Sender zur Wahl. Doch einiges mehr als 100 verschiedene Programme sind fast immer weitaus genug, nur im Kabel werden auch die Lokalsender angeboten, man kann über dasselbe Kabel auch telefonieren und im Internet surfen und schliesslich besteht nur hier die Möglichkeit von «Video-on-Demand», wo man seinen Wunschfilm zu einer frei gewählten Zeit ins Haus geliefert bekommt.
Multitalent Settopbox
Ob man nun Satelliten, Kabelnetz oder Telefonnetz als Programmlieferanten bevorzugt, in jedem Fall braucht man zwischen dem Antennenkabel und dem Bildschirm noch ein kleines Gerät, das aus dem ankommenden Strom digitaler Daten wieder Bilder und Töne macht. Für diesen Digitalempfänger hat sich der Name «Settopbox» eingebürgert, man bekommt sie – je nach Programmlieferant – im Fernsehladen oder direkt beim Netzbetreiber. Die Settopbox übernimmt auch das Decodieren verschlüsselt ankommender Programme, als zugriffsberechtigt legitimiert man sich durch eine kreditkartengrosse Decoderkarte, die man in ein dafür vorgesehenes Modul schiebt.
HD-tüchtige Settopboxen empfangen aber nicht nur HDTV-Programme, sondern auch solche in herkömmlicher Standard-Definition (SD) sowie Radioprogramme. Doch hochauflösende Bilder bietet nicht nur das Fernsehen. Alles, was es heute an bewegten oder stillstehenden Bildern in digitaler Form gibt, ist in HD-Qualität verfügbar: Fotos von der Digitalkamera, selbstgedrehte Videos vom HD-Camcorder, Videospiele, Informationen vom Computer und vor allem Filme von der Blu-ray Disc, all dies liegt in HD-Qualität vor.Damit die prachtvolle Bildqualität auch wirklich zur Geltung kommt, sollte man unbedingt einen richtig grossen Bildschirm wählen. Wie gross, das hängt vom Betrachtungsabstand ab. Als idealer Betrachtungsabstand für hochauflösende Bilder gilt das Dreifache der Bildhöhe (nicht der Diagonale!). Da ist man nahe genug, um wirklich sämtliche Feinheiten des Bildes erkennen zu können, aber doch wiederum nicht so nah, als dass schon die einzelnen Bildpunkte zu unterscheiden wären. Diese Faustregel führt zur Empfehlung erstaunlich grosser Bildschirme schon bei relativ geringem Betrachtungsabstand und zu einer dramatischen Abkehr von den Bildgrössen, an die man sich in Jahrzehnten bei Fernsehapparaten gewöhnt hat.
Der Gedanke an einen Bildschirm in Fenstergrösse mobilisiert bei vielen Menschen zunächst spontane Abwehrreaktionen. Doch die superflachen Bildschirme lassen sich fast immer gut und dekorativ unterbringen und die Erfahrung zeigt, dass praktisch alle Skeptiker sich schon nach wenigen Tagen begeistert darüber äussern, um wieviel faszinierender, überzeugender und auch angenehmer das grosse Bild auf sie wirkt. HDTV etabliert eben einen ganz neuen Standard, in der Grösse der Bilder ebenso wie in ihrer Qualität.
Beamer: Kinoerlebnis
Noch grössere Bilder liefert ein Videoprojektor. So ein «Beamer» zaubert faszinierendes Kinogefühl ins Wohnzimmer, doch als Ersatz für einen Flachbildschirm taugt er kaum. Erstens gönnt er sich nach dem Einschalten eine gewisse Hochlaufzeit, bis er ein Bild zeigt – das nervt, wenn man nur rasch die Tagesschau sehen will. Zweitens stossen Platzierung und Verkabelung häufig auf Schwierigkeiten und drittens ist sein Lüfter nicht geräuschlos. Viertens aber, und das ist der wichtigste Einwand, verlangt der Projektor zwingend nach einem vollkommen verdunkelten Raum, sonst sind die Bilder flau und unansehnlich. Im Partykeller als Heimkino – wunderbar, im Wohnzimmer eher problematisch. Doch eine Komponente des Heimkinos sollte man unbedingt auch im Wohnzimmer installieren: Surroundsound. Das Erlebnis Kino besteht ja bekanntlich zu mehr als 50 Prozent aus den umhüllenden Klängen und Geräuschen. HDTV und Blu-ray Disc bringen dieses Klangereignis in einer einzigartigen Qualität nach Hause, darauf sollte man nicht verzichten. Ob Spielfilm, Oper oder Fussball, der Superton zum Superbild macht das Erlebnis perfekt.
HDTV ist das Fernsehen des 21. Jahrhunderts. Es bringt einen Quantensprung in der Bildqualität, dazu Breitbild, Surroundsound und grosse Flachbildschirme. Schöne Aussichten!
* Albrecht Gasteiner gilt als Pionier der Digitaltechnik und als einer der prominentesten unabhängigen HDTV-Experten der Schweiz. Er ist Chef des firmenneutralen Informationsdienstes www.hdtv-forum.ch

