Immobilienmarkt etwas verhaltener
Immobilienumfrage 2002 / 2003
Die Situation im Liegenschaftsmarkt wird etwas verhaltener beurteilt als noch vor zwölf Monaten, obwohl sie auch für das vergangene sowie das laufende Jahr mehrheitlich positiv eingeschätzt wird. Jedoch ist die Stimmung nicht mehr derart euphorisch, wie dies ein Jahr zuvor noch der Fall war. Dies hängt sicherlich nicht zuletzt mit der gesamten Wirtschaftslage und der Konsumentenstimmung zusammen, welche im vergangenen Oktober einen Rückschlag erlitten hat.
Uneinheitliche Nachfragesituation - entsprechende Preise
Die Nachfrage wurde bei den Einfamilienhäusern und beim Bauland zwar immer noch als steigend wahrgenommen, allerdings nicht mehr von einer derart deutlichen Mehrheit wie im Vorjahr. In den Segmenten der Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäuser stellten die meisten Befragten eine unveränderte Nachfrage fest. Im Büro- und Geschäftshäuserbereich hingegen hat in den vergangenen zwölf Monaten ein Nachfragerückgang stattgefunden.
Analog entwickelten sich auch die Preise. Einfamilienhäuser- sowie Baulandpreise sind gemäss Aussage der Mehrheit der Befragten weiter gestiegen, was etwas weniger deutlich auch bei den Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäusern der Fall war. Im Büro- und Geschäftshäusersegment wurden jedoch mehrheitlich rückläufige Preise festgestellt.
Boom der Eigentumswohnungen beendet?
Im Bereich der Eigentumswohnungen halten die Aussagen, welche die Nachfrage für grösser respektive kleiner erachten, ungefähr die Waage, 40 % der Befragten stellten eine unveränderte Nachfrage fest. Das wachsende Angebot an Eigentumswohnungen, welches in den letzten Jahren entstanden ist, wurde auch im vergangenen Jahr, gemäss Aussagen der Mehrheit der Befragten, nochmals leicht ausdehnt. Dieser Trend scheint sich nun aber deutlich zu verlangsamen: Rund ein Viertel der Befragten geht von einer rückläufigen Bautätigkeit in diesem Segment für die nächsten zwölf Monate aus, während die Mehrheit mit gleichbleibender und nur eine Minderheit mit weiter steigender Bautätigkeit rechnet.
Regionale Unterschiede
Wie sich bereits bei der letztjährigen Umfrage herausstellte, zeigt sich auch dieses Jahr eine regional unterschiedliche Entwicklung. So wurden beispielsweise von den Befragten aus der Ostschweiz (Kantone Schaffhausen, Thurgau, Appenzell I.Rh., Appenzell A.Rh. und St. Gallen) beinahe einstimmig in allen Bereichen unveränderte bis deutlich rückgängige Preise wahrgenommen und auch die Preiserwartung für dieses Jahr fallen nicht positiver aus. Demgegenüber stellten die Befragten aus dem Kanton Zürich für das vergangene Jahr mehrheitlich steigende Preise fest, dies am eindeutigsten im Segment der Einfamilienhäuser sowie beim Bauland. Auch die Zukunft wird im Kanton Zürich eher positiv gewertet, werden doch überall ausser im Büro- und Geschäftshäuserbereich für die nächsten zwölf Monate unveränderte bis steigende Preise erwartet.
Diese regional und kantonal unterschiedliche Situation im Immobilienmarkt zeigt sich auch bei den Leerbeständen der Mietwohnungen. Während die Liegenschaften der Befragten im Kanton Zürich Leerbestände von durchschnittlich unter einem halben Prozent aufweisen, weisen diejenigen in der Ostschweiz durchschnittlich drei Prozent auf.
Zukunftsaussichten
Die Preise werden auch für dieses Jahr als weiter steigend eingestuft - allerdings nicht mehr von einer derart deutlichen Mehrheit wie bei der letztjährigen Umfrage. Am deutlichsten wird die Preissteigerung beim Bauland erwartet, aber auch bei Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen sowie bei den Mehrfamilienhäusern geht eine Mehrheit von höheren Preisen aus. Jedoch ist in all diesen Bereichen die Minderheit, welche mit sinkenden Preisen rechnet, deutlich grösser geworden. Im Büro- und Geschäftsflächenbereich hingegen wird ein weiterer Preisrückgang und damit einhergehend auch ein Renditerückgang vorausgesagt.
Fazit
Wenn man das kürzlich vom Bundesamt für Statistik veröffentlichte Bevölkerungswachstum mit der stagnierenden bis rückläufigen Wohnbautätigkeit und das in dieser Umfrage festgestellte rückläufige Angebot vor allem im relevanten Bereich der Mehrfamilienhäuser der letzten Jahre vergleicht, lässt sich erahnen, dass die steigende Nachfrage nach Wohnraum in gewissen Gebieten nur ungenügend gedeckt werden kann. Deshalb ist es unerlässlich, die nötigen Anreize zu schaffen, insbesondere eine Liberalisierung des Mietrechts voranzutreiben, damit sich die Investoren wieder im Wohnungsbau engagieren. Nur so wird der Nachfrage auch in Zukunft ein entsprechendes Angebot gegenüber stehen.
© Hauseigentümerverband Schweiz, 8008 Zürich, Sandra Burlet, lic.rer.publ.HSG, Volkswirtschaftliche Mitarbeiterin, 27. Februar 2002

