BILD: STOCKWERK  / FOTOLIA
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Eigenmietwert

Eigenmietwert – Eine der letzten grossen Ungerechtigkeiten

Vergleicht man Wohneigentümer und Mieter in gleichen wirtschaftlichen Verhältnissen, so steht Eigentümern oftmals weniger Einkommen zur freien Verfügung als Mietern. Dies vor allem dann, wenn keine oder wenig Schulden vorhanden sind. Häufig wird ins Feld geführt, die Eigentümer könnten dafür steuerlich den Schuldzinsabzug geltend machen. Doch der Schuldzinsabzug steht allen Steuerpflichtigen offen. Auch Mieter können sich verschulden und die Schuldzinsen vom steuerbaren Einkommen abziehen. Das ist auch richtig, denn massgebend für die Steuerbelastung muss die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sein. Willkürlich ist es dagegen, wenn nicht die wirtschaftliche Kraft die Steuerbelastung festlegt, sondern die Tatsache, ob jemand ein Haus, Aktien oder ein Kunstwerk besitzt. Die Besteuerung eines fiktiven Einkommens einzig beim selbstgenutzten Wohneigentum schafft eine grosse Ungerechtigkeit. Auch die oftmals angeführte Behauptung, dass im Namen der Wohneigentumsförderung der Eigenmietwert massvoll festgesetzt wird, ist angesichts dieser Ausgangslage nicht haltbar.

Sinkende Mietzinsen und steigende Eigenmietwerte

Während die Mietzinsen in bestehenden Mietverhältnissen tendenziell gefallen sind, werden die Eigenmietwerte von bestehenden Eigentümern kontinuierlich angehoben. Es wäre den Steuerpflichtigen gedient, wenn sie von der Steuerverwaltung eine überzeugende Erklärung dafür erhalten würden, weshalb die Eigenmietwerte steigen, obwohl die Mietzinsen in den bestehenden Mietverhältnissen tendenziell gesunken sind.

Motion Egloff

Um die Probleme bei der Besteuerung des Eigenmietwerts anzugehen, hat der Präsident des HEV Schweiz, Nationalrat Hans Egloff, die Motion Egloff «Sicheres Wohnen. Einmaliges Wahlrecht beim Eigenmietwert» im Parlament eingereicht. Die Motion Egloff ist für eine Verbesserung des Systems die ideale Gesprächsgrundlage. Sie greift moderat ins geltende System ein und beseitigt dessen gröbste Mängel. Die Motion wurde vom Bundesrat abgelehnt, im September 2014 jedoch vom Nationalrat gutgeheissen. Nun kommt sie in den Ständerat. Es wäre erfreulich, wenn auch der Ständerat das Anliegen der Steuerpflichtigen ernst nehmen würde und anhand der Motion Egloff die Probleme bei der Besteuerung des Eigenmietwerts angeht.

Geschichtliches zum Eigenmietwert

Mieten sinken, Eigenmietwert steigt

Eigentümer, die ihre Liegenschaft im Privatvermögen halten und selbst nutzen, dürften sich zuweilen fragen, warum der Eigenmietwert nicht auch sinkt, wenn der Referenzzinsatz und damit die Mieten in laufenden Mietverhältnissen tendenziell sinken. Obwohl die Eigenmietwerte sich an den Marktmieten orientieren sollten, haben sie sich aber im Gegenteil tendenziell eher noch erhöht. Grund dafür ist, dass die Eigenmietwerte steuerrechtlich oftmals nicht anhand der Marktmieten festgelegt, sondern in vielen Kantonen schematisch (auch) aufgrund des Liegenschaftwerts ermittelt werden. Das Mietrecht hat darauf grundsätzlich keinen Einfluss.