BILD: INGO BARTUSSEK / FOTOLIA
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Energiestandards

Energiestandards sollen dem Laien eine Hilfe sein, um gemeinsam mit den Baufachleuten einen anzustrebenden Energiestandard zu definieren. Allerdings ist die Auswahl an Energielabels bereits gross was die Übersichtlichkeit nicht vereinfacht. Die gängigsten Label in der Schweiz werden nachfolgend kurz vorgestellt.

Minergie

Seit 1998 steht die Marke Minergie für Gebäude mit einem tiefen Energieverbrauch und einem hohen Wohnkomfort. Seither wurden in der Schweiz über 32‘000 Gebäude nach Minergie zertifiziert. Das Label entwickelte sich in den vergangenen Jahren stets weiter und war Vorläufer für die heutigen Energievorschriften. Im Laufe der Jahre sind die erweiterten Label Minergie-P und Minergie-A hinzukommen. Bei Minergie-P wird der gewichtete Endenergiebedarf unter 30 kWh/m2a gesenkt. Minergie-A entspricht dem Null- oder Plusenergiehaus. Es dürfen maximal 15 kWh/m2a externe Energie für Heizung und Warmwasser zugeführt werden, wobei diese aus Biomasse stammen muss. Die restliche benötigte Energie ist direkt am Gebäude zu produzieren.

Alle drei Standards können mit dem Zusatz ECO ergänzt werden. Innerhalb dieses Zusatzes werden Kriterien hinsichtlich Tageslicht, Schallschutz, Innenraumklima und Anforderungen an die Baustoffe geprüft.

Die Bauqualität wirkt sich auf den mittel- und langfristigen Wert einer Liegenschaft sehr stark aus. Gemäss der Studie "Minergie macht sich bezahlt" der Zürcher Kantonalbank beträgt der Mehrwert eines Minergie-Einfamilienhauses bei sonst identischen Hauseigenschaften gegenüber eines konventionellen Einfamilienhauses rund 7 %. Bei einem Mehrfamilienhaus beträgt der Mehrwert bzw. der am Markt erzielte Aufpreis 3,5 %.

Standard Nachhaltiges Bauen (SNBS)

Im Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz werden die drei Nachhaltigkeitskomponenten Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt gleichwertig abgebildet und in 25 Unterthemen gegliedert. Bei den gesellschaftlichen Aspekten werden der Kontext und die Architektur, die Planung und die Zielgruppen, die Nutzung und die Raumgestaltung sowie das Wohlbefinden und die Gesundheit einbezogen. Zum Nachhaltigkeitsaspekt Wirtschaft gehören Themen wie die Kosten, das Markt- und Ertragspotenzial sowie die Regionalökonomie, also der Beitrag zur regionalen Wertschöpfung. Die Umweltaspekte drücken sich durch die Themen Energie, Klima, Natur, Landschaft, Ressourcen- und Umweltschonung aus. Wo immer möglich, stützen sich diese Kriterien auf bestehende Normen oder Messinstrumente ab.

Zu sämtlichen Kriterien findet eine Bewertung auf einer Skala von eins bis sechs statt. Es können Neubauten wie auch Bestandesbauten beurteilt werden. Erste ausgewertete Objekte zeigten auf, dass maximal die Note 5,5 erreicht werden kann. Dies widerspiegelt die zum Teil gegensätzlichen Kriterien, bei denen die Bauherrschaft Schwerpunkte setzen muss. Ziel ist demnach nicht mehr, in einzelnen Disziplinen Bestleistungen zu erzielen, sondern es ist ein gut ausgeglichener Mix aller Nachhaltigkeitsaspekte anzustreben. Der Standard wird in den kommenden Jahren zu einem Label ausgebaut werden und sodann unter der Bezeichnung Label Nachhaltiges Bauen Schweiz (LNBS) auf dem Markt platziert werden.

SIA Effizienzpfad Energie

Das Merkblatt SIA-Effizienzpfad Energie(SIA 2040) und die Dokumentation dazu (SIA D 0236) bilden die Basis für die Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft im Gebäudebereich. Der SIA-Effizienzpfad Energie zeichnet sich durch eine gesamtenergetische Betrachtung aus: Neben der Betriebsenergie werden auch die Graue Energie und die standortabhängige Mobilität einbezogen. Als entscheidende Neuerung ist es gelungen, auch Zielwerte für die Treibhausgasemissionen anzugeben.

Im SIA-Effizienzpfad Energiewerden sind für die drei Gebäudekategorien Wohnen, Büro und Schulen Zielwerte für Neubauten sowie für Umbauten und Sanierungen festgesetzt. Damit ist eine energetische Betrachtung über den ganzen Lebenszyklus von Gebäuden möglich, die mit dem Bereich Mobilität auch das siedlungs- und städtebauliche Umfeld einbezieht.

DGNB

Das DGNB dient der objektiven Beschreibung und Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden und Quartieren. Bewertet wird die Qualität im umfassenden Sinne, über den kompletten Gebäudelebenszyklus hinweg. Das DGNB Zertifizierungssystem ist international anwendbar. Aufgrund seiner Flexibilität kann es präzise auf unterschiedliche Gebäudenutzungen und sogar länderspezifische Anforderungen angepasst werden. Das Nachhaltigkeitskonzept des DGNB Systems ist weit gefasst und reicht über das bekannte Dreisäulenmodell hinaus. Es betrachtet durchgängig alle wesentlichen Aspekte des nachhaltigen Bauens. Diese umfassen die sechs Themenfelder Ökologie, Ökonomie, soziokulturelle und funktionale Aspekte, Technik, Prozesse und Standort. Zertifiziert wird die Erfüllung von bis zu 40 Nachhaltigkeitskriterien aus den oben genannten sechs Themenfeldern. Die DGNB vergibt das DGNB Zertifikat in Platin, Gold und Silber.

BREAM, LEED

Mit BREAM und LEED stehen zwei weitere internationale Labels zu Verfügung. Diese finden meist bei Grossprojekten mit internationalen Bauherrschaften Anwendung.

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